Nach wochenlanger, durch österliche und berufliche Verpflichtungen bedingte “Elke – Hunde – Abstinenz” freute ich mich sehr, wieder einmal mit Elke auf Tour gehen zu können. Zumal es zu einem Hundebaby – Rettungseinsatz in den Süden der Insel ging und auch Ana Belen mit ihrem nicht still stehen wollenden Mundwerk (welches uns auf längeren Fahrten immer wieder amüsant die Zeit verkürzt) mit von der Partie sein würde.
 
Zunächst musste jedoch erst einmal bei Elke zu Hause „Klarschiff“ gemacht werden. Der Frühling weckt nämlich nicht nur bei den Menschen ganz kribbelige Gefühle, nein auch unsere geliebten Vierbeiner scheinen sich zur Zeit in einem unglaublich rasantem Tempo zu vermehren. Und so gleicht die PAT – Finca momentan eher einem Kindergarten, denn einer Hunde – Hilfs – und  Auffangstation.

Überall zerfetzte Decken, liebevoll ausgehobene Krater wo einst Gras wuchs, Spielzeug und zu Spielzeug umfunktionierte Gebrauchsgegenstände wie Bürsten, Handschuhe und, und, und... aber wer könnte der Mini-Mannschaft  das schon übel nehmen?! Also hingekniet und sauber gemacht – 2 ½ Stunden später ist wieder alles im Lot, alle haben frisches Wasser und ich sehe aus, als hätte ich die Löcher im Garten höchstpersönlich gegraben J.
 
Endlich sind auch Ana Maria, eine befreundete Tierschützerin aus Güimar und Ana Belen da. Schnell noch die Welpen geimpft und die Grossen mit einem Medikament zur Vorbeugung gegen Filaria versorgt – was sein muss, muss sein – und schon machen wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Einsatz.

(Diesmal allerdings nicht, ohne uns vorher zu stärken...)
 
Der Hinweis auf die Hundekinder, der Elke erreichte, kommt aus La Escobanal, knapp 70 km weit entfernt. Aber der Tierschutz kennt keine Grenzen und einmal mehr wünschen wir uns Flügel (und hier wussten wir noch nicht, wie sehr wir sie uns am heutigen Tag noch wünschen würden).
 
Hurra! Elke lässt mich fahren. Den Führerschein habe ich zwar schon fast 5 Jahre, aber auf Grund des Fehlens eines eigenen Fahrzeugs mangelt es natürlich an der notwendigen Praxis und so bin ich froh, wenn ich mal ans Steuer darf.
 
Es ist eine relativ lange Fahrt, aber Ana Belen weiß uns aufzuheitern und die Zeit zu verkürzen. Natürlich sind wir alle gespannt, wo es uns hinverschlägt und überhaupt, was uns erwartet. Doch die Aufregung wird von den Eindrücken der unglaublich schönen Landschaft Teneriffas überdeckt. Wieder einmal bin ich fasziniert, wie gegensätzlich unsere Insel doch ist – blaues Meer und Sonnenschein, der immer noch schneebedeckte Teide... traumhaft.
 
In La Escobanal angekommen, treffen wir uns mit den Findern der Hundebabies, Adela und Carmelo, und werden Zeugen eines unfassbaren Machismus, der uns einerseits die Sprache verschlägt uns aber andererseits auch zum Schmunzeln bringt.
 
Nun geht es bergauf. Und Dank meiner Fahrkünste, der mittlerweile tief stehenden Sonne und einer ca. 2 m breiten Strasse mit ungelogen mindestens 45º Steigung säuft uns der Motor ab. Der Berlingo lässt sich dann auch nicht noch einmal dazu überreden, den Berg hinauf zu fahren – als wüsste er, dass man ihn sowieso in „Rente“ schicken wollte.
 
Also heißt es nun laufen... Ana Belen verzieht das Gesicht und ich sage ihr, dass sie die paar Meter schon packen wird. Daraufhin erfahre ich von einer 5 stündigen „Wander – Rettungs – Aktion“ bei der sie, Elke und Lidia (eine gute Vereinsfreundin) im Parque Nacional del Teide am Vortag einen gehbehinderten Podenco – Rüden mit der Schubkarre über zig Kilometer geschleppt haben, da sie eine geschlossene Schranke, die auf Grund der Osterfeiertage und somit des nicht Anwesendseins eines Parkwächters mit Schlüsselbefugnis, daran hinderte mit dem Auto bis zu dem armen Burschen vorzudringen.
 
Aber irgendwie haben wir den Berg, bepackt mit einer riesigen Transportbox, Futterköder und „Erste – Hilfe – Blasrohr – Koffer“, bezwungen und stehen hechelnd wie die Hunde vor einem über und über mit Kakteen bewachsenen Barranco – und ich in kurzen Hosen...
 

Carmelo, unser über alles erhabener Führer, jagt uns nun mittendurch. Meine Beine brennen und ich hoffe nur, das er weiß, wo er hingeht. Die Orientierung, wenn ich denn je eine hatte, ist schon lange dahin. An diesem Tag entdecken wir für uns ein neues Hobby – Freeclimbing. Händchenhaltend ziehen wir uns abwechselnd Böschungen hoch oder fangen uns unten gegenseitig wieder auf.
 
Endlich sind wir am Ziel. Carmelo zeigt auf eine kleine Öffnung im Fels aus der man hungriges Quieken hört – von der Mutter ist weit und breit nichts zu sehen. 

Elke postiert sorgfältig einige der Köder vor dem Eingang der Höhle und schon kommen die ersten drei Schreihälse und schlingen das gute Futter gierig, als wenn es kein Morgen gäbe, hinunter. Der Rest, wir schätzen, dass es ungefähr neun Welpen sind, lässt sich allerdings nicht so einfach hervorlocken. Ganz im Gegenteil sie verkriechen sich noch tiefer in ihrer engen Behausung.

Abwechselnd schauen wir hinein, können jedoch nicht sehr viel erkennen. Carmelo steckt schon mit dem ganzen Kopf in dem dunklen Loch, muss aber schlussendlich einsehen, dass er da nicht hineinpassen wird.
 
Da ich die Kleinste bin, versuche ich es. Ich robbe also immer tiefer hinein, bis zum Po... Dann merke ich, dass es ein wenig eng wird – normalerweise habe ich keine Platzangst, aber so im Dunkeln, allein mit meinem dicken Po... wer füttert mich denn die ganze Woche hier draussen in der Pampa, wenn ich stecken bleibe? Also wieder hinaus.
 
Jetzt versucht es Adela. Auch sie kriecht bis zur Hüfte hinein, kommt aber nicht weiter. Erst jetzt kommt einem von uns der glorreiche Gedanke, den losen Kiesschotter beiseite zu schaufeln, um somit mehr Platz zu schaffen.
Nun geht es relativ schnell. Ein Welpe nach dem anderen wird aus der Höhle zu Tage befördert – und alle quietschen und schreien sie um die Wette. 

Am Ende haben wir 3 kleine Mädchen und 6 Jungen aus dem Erdloch befreit und sind überglücklich, dass sie auf den ersten Blick alle kerngesund wirken.

Der Rückweg ist umso beschwerlicher. Jeder von uns hatte sowieso schon damit zu kämpfen, die Balance zu halten, den stachligen Kakteen auszuweichen und die steilen Böschungen zu erklimmen. Dazu kamen jetzt noch unsere neun Zwerge, die so gar nicht verstehen wollen, warum man sie aus ihrer kuscheligen Behausung gezerrt hatte und nun durch die Gegend schleppte. Sie quiekten in einem fort und strampelten was das Zeug hielt. 
 
Nach „ich-weiss-nicht-wie-langer“ Zeit erreichten wir endlich das Auto – erschöpft, aber stolz und zufrieden über das Geleistete. Wir setzten uns einen Moment, um alles noch mal sacken zu lassen und dem ein oder anderem kullerte an diesem Abend auch noch eine Träne des Glücks die Wange herunter.
 
So machen wir uns also an jenem schönen Montag mit unseren neun neuen Schützlingen, alle nicht älter als 5 Wochen, auf den Heimweg in sicherer Gewissheit, dass uns der Frühling noch weitere „Kinderüberraschungen“ bereithalten wird.
 
Kristina Richter, 
Puerto de la Cruz, den 29. März 2005

7 Jungspunde kommen in die Obhut von Ana Maria, einer befreundeten Tierschützerin im Süden, 2 der Knirpse ziehen bei uns auf der PAT-Finca ein ...
 
 

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