26.07.2005 / von Michaela Burkhard

Es war einmal an einem Dienstag… Dies ist jedoch keine Geschichte und kein Märchen, sondern eine wahre Begebenheit. Wie schon einige Dienstage zuvor, machten sich Elke und ich um 8:00 Uhr  morgens auf zur Fütterungstour, um den armen Hunden im Esperanzawald und im Nationalpark de Teide eine kleine Freunde zu machen, ihnen lebenswichtiges Futter und Wasser zu bringen.  Doch dieses Mal waren wir nicht alleine, da gab es eine 3. Helferin, Katrin aus dem Süden Teneriffas. Sie war gerade zu Besuch bei Elke, um sich alles anzuschauen und eine Fütterungstour mitzuerleben und mit den gewonnen Eindrücken dann später einen Bericht für ihre spanische Schulzeitung zu schreiben, um auch im Süden, die leider noch wenig erfahrenen  Spanier, was Hundehaltung, den Umgang mit Hunden etc. angeht, eines Besseren zu belehren. Als erstes ging es zum Großmarkt, Mercatenerife nach St. Cruz, um dort für die Hundis frisches Hünchenfleisch zu holen, das jede Woche von einer spanischen Hühnerfabrik gespendet wird. 

Nun gerüstet mit leckerem Futter und vielen großen Flaschen Wasser ging die Tour los. Gleich nach der ersten halben Stunde und den ersten Fütterungen, angeketteter Hunde, die auf Busse aufpassen müssen, 

hielten wir am Tierheim „Benyi Peluza“. Dort wollten wir einen kleinen Welpen mitnehmen, denn zuhause gab es einen kleinen, etwas einsamen Welpen namens Nino, der gerne eine Freundin hätte. 

Schon gleich empfing uns die Tierheimleiterin mit einer traurigen Nachricht, dass vor kurzem in einer Mülltonne 40 eingeschläferte, tief geforene Hunde gefunden wurden. So grausam können Menschen sein und wohl auch Tierärzte.  Katrin und mir noch völlig unbekannt, betraten wir nun zusammen mit Elke und der Leiterin das Tierheimgelände. Der Schock war erst einmal groß, als wir die engen, kalten, leeren Zwinger sahen, links und rechts in einer langen Halle gereiht. Beim Betreten der Halle wurde es natürlich laut, alle Hunde versuchten mit Bellen und Jaulen Aufmerksamkeit zubekommen, die sie selten oder nie bekamen. 

Überwältigt von den vielen Hunden liefen wir von Zwinger zu Zwinger, sahen oft sehr verwahrloste oder kranke Tiere die nur noch apathisch in einer Ecke lagen und auf Erlösung hofften. Nach einer weile kamen wir dann an einen Zwinger, in dem eine Hündin mit 4 Welpen untergebracht war. Wir suchten uns den kleinsten Welpen aus, der plötzlich um eine Ecke gerannt kam, denn er hatte völlig verpasst, dass da Menschen waren, alle sein Geschwister waren schon zur Stelle um zu schauen, was denn los sei, aber nein, die kleine schwarze Hündin war die letzte und kam gar nicht mit dem Laufen nach. Da waren wir uns gleich alle einig, die nehmen wir mit für Nino. Einen Namen bekam sie auch gleich von uns, jetzt haben wir eine kleine Kathy. Traurig verließen wir dann mit Kathy auf dem Arm die Halle, das Bellen der Hunde noch lange hinter uns zu hören und ich glaube, nicht nur ich musste in diesem Moment die Tränen unterdrücken. 
 

Aber es war auch sehr schön zu wissen, dass nun dieses kleine Welpenmädchen ein neues, schönes Zuhause bekommen würde, mit einem kleinen Freund und später in eine liebevolle Familie vermittelt wird. Wir stiegen schweigend ins Auto und ich nahm die noch ängstliche kleine Kathy zu mir auf den Schoss. Nun fuhren wir noch schnell zum Tierarzt, um unseren Zuwachs gleich zu entwurmen und zu entflohen, damit es ihr gleich besser geht. 

Danach ging es auch schon hinauf in den Esperanzawald, vorbei an meterhohen Kiefern und Eukalyptusbäumen. Oft hielten wir an den Futterstellen, um dort die Hünchenflügel zu verteilen und die schon leeren Trinknäpfe aufzufüllen, an denen man mal wieder sah, wie hungrig und durstig die armen Waldhunde doch sind, denn einen vollen Napf oder Reste vom Essen fanden wir nie. 

Unterwegs statteten wir noch dem Campingplatz von los Raices einen Besuch ab, denn dort lebt Rudolfo, ein Schäferhund den Elke gerettet und vermittelt hat und der dort nun ein tolles zuhause hat, als Wachhund des Geländes. Er bekam ein paar Leckerchen von uns und weiter ging die Fahrt. 

Hinauf bis zum Parador vom Park National de Teide. Dort hielten wir an einem Hotel, Treffpunkt vieler Touristen und wollten dort die Möglichkeit nutzen unsere bereits leeren Wasserbehälter zu füllen. 

Doch dann kam es ganz anders. Plötzlich sahen wir in der Nähe des Restaurants einen großen Podenco, bereits bis auf die Knochen abgemagert. Schnell gab uns Elke ein paar Hühnerflügel und schickte uns voraus den Armen zu füttern und zu schauen, ob wir ihn einfangen können.  Kaum zeigten wir ihm das Fleisch, lief er auch schon auf uns zu, jedoch immer mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Ganz so vertraulich wirkten wir wohl noch nicht auf ihn. Doch nach kurzer Zeit lies er sich schon ein wenig von Kathy und mir streicheln und wir schafften es doch tatsächlich ihn ohne Hilfsmittel zum Auto zu locken. Dort hatte Elke bereits Futter vorbereitet mit Beruhigungsmittel, das der braun-weiß gefleckte Hund auch gleich verschlang. Weiterhin versuchten wir ihm eine Leine umzuhängen, doch mehr als vorsichtiges Kraulen lies er nicht zu. So entschloss sich Elke, ihn mit dem Blasrohr einzufangen und bereitete alles vor, währenddem wir weiter Streicheleinheiten gaben. Dann ging alles sehr schnell, der Podencojunge wurde von der Beruhigung ganz  ruhig und taumelig, schnell gab ich Kathy die Leine, denn sie streichelte ihn gerade.  Ohne zu zögern legte sie ihm die Leine um und wir hatten ihn  gefangen, ohne den Einsatz des Blasrohres. Da waren wir natürlich froh, nahmen den armen Hund und legten ihn auf eine weiche Decke ins Auto, wo er nun die Fahrt über in Ruhe schlafen konnte.  Dann stellten wir noch fest, dass der er einen Chip hat und so rief Kathy schnell den Tierarzt an um ihn zu bitten, den Besitzer ausfindig zu machen. 

Nun vollgepackt mit Essen, Trinken, 3 Menschen und 2 Hunden setzte sich der Kleinbus wieder in Bewegung  Richtung Zona Recreativa in Chio. 

Dort wartete bereits die Familie Kunzelmann auf uns. Sie hatten vor einer Woche, beim Besuch der Zone unsere 5 Hunde gesehen, die wir hier jede Woche füttern und sich auf den 1. Blick in die kleine Podenca des Rudels verliebt. Diese nahm  sogar Futter aus ihrer Hand und lies sich streicheln. Besonders die kleine Tochter Ricarda war hin und weg von dem süßen Podimädel. 

Sie riefen daraufhin Elke an um sie zu bitten, den Hund einzufangen, denn sie würden ihn sehr gerne mit nach Deutschland nehmen und ihm ein liebevolles Zuhause geben. Das freute Elke natürlich sehr und mich natürlich auch und so waren wir guten Mutes, die Kleine einzufangen, was nicht schwer sein würde, so dachten wir....  Sie war ja schon etwas zahm und so würde ein Beruhigungsmittel im Futter wohl ausreichen. Zuerst waren nur wir 3 am Treffpunkt, Elke hupte um den Hunden zu zeigen, dass es jetzt Futter gibt. Normalerweise kamen die 5 Freunde dann in ca. 15 Minuten fröhlich angerannt und freuten sich über das leckere Essen. Doch dieses Mal tat sich nichts.  Selbst nach einigem Hupen und langem Warten sahen wir keine Hunde. Sie mussten wohl so weit entfernt sein, dass sie das Signal nicht hörten. Aber es war auch gerade Mittag und sehr warm, also gingen wir alle zusammen mit den Kunzelmanns eine Pause machen, um alles zu besprechen, um gleich danach wiederzukommen, denn so war die Chance größer, dass dann die Hunde näher waren.  Doch trotz weiteren Hoffens kamen auch 2 Stunden später keine Hunde zur Futterstelle, immer noch waren sie weit weg, hatten  wohl ein gemütliches Plätzchen zum Schlafen gefunden oder waren in großer Entfernung auf Futtersuche gegangen. Doch aufgeben werden Elke und ich natürlich nicht, nächste Woche gibt es wieder eine Fütterungstour und dann werden wir die Kleine schon bekommen und zu den Kunzelmanns nach Deutschland per Flugpaten bringen. Sie weiß ja noch gar nicht wie schön sie es dann hat, denn sonst wäre er schneller als der Blitz  bei uns gewesen, da bin ich  mir Sicher.

Schnell gab Elke der Familie noch etwas vom dem Beruhigungsmittel, damit sie es am nächsten Tag noch einmal probieren können, sie wollten gerne noch einmal kommen und ihren Hund vielleicht sogar selber einfangen. Es ist doch schön zu sehen, dass sich Menschen so viel Mühe geben, um einen Hund zu retten und ihm zu helfen, es müsste mehr von dieser Sorte geben oder nicht?

Etwas traurig, dass die Fangaktion nicht geklappt hat, fuhren wir weiter Richtung Heimat. Aber immerhin konnten wir 2 armen Kreaturen helfen, das war schon was Besonderes für Kathy und mich, denn im Gegensatz zu Elke, die schon weitaus Schlimmeres gesehen hat und schon viele Jahre Hunde rettet, kannten wir das noch nicht. War schon ein tolles Gefühl für uns. 

Zuhause rief dann Elke noch den Besitzer des Podencos an, den wir gefangen hatten. Dieser war sehr nett und freute sich riesig über seinen wieder gefundenen Partner. Auch Nino war ganz glücklich über seine Neugewonnene Freundin. Beide sind ein Herz und eine Seele geworden.  Was für ein schöner Tag war das doch, ich glaube wir sind alle am diesem Abend sehr glücklich eingeschlafen und haben an die kleine Kathy und das liebe Podencamädel gedacht.
 
 

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