Schon viele Jahre versorge und kümmere ich mich um die frei lebenden Hunden in der sog. Caldera, einem Waldgebiet auf halber Höhe zum Teide. Zu diesen Hunden gehört auch Magga, die dort schon viele Jahre lebt. Ich hatte sie seinerzeit eingefangen, kastrieren lassen, musste ihr die Freiheit jedoch zurückgeben, da sie wild geboren war und zum damaligen Zeitpunkt auch sehr aggressiv war. Maggas Tochter, deren ersten Wurf ich komplett nach Deutschland vermitteln konnte u. die ebenfalls in der Caldera lebte, schien eines unnatürlichen Todes gestorben zu sein, denn ich hatte sie schon lange nicht mehr gesehen.

Leider werden gerade in der Caldera insbesondere an einem dort gelegenen Restaurant sehr viele Hunde vergiftet und so rette ich, was ich retten kann, wenn auch nur annähernd eine Chance auf Vermittlung besteht, bei allen anderen kann ich nur hoffen, dass sie sich weit genug in die Wälder zurückziehen und auch meine Futterstellen dort versuche ich mehr und mehr ins Unterholz zu verlagern, um die Hunde von den Touristenanlaufpunkten fern zu halten. Mitte April begegnete ich auf meiner Fütterungstour dann meiner langjährigen Gefährtin Magga, die mich mit so unendlich traurig ansah, dass ich sofort merkte, dass etwas nicht stimmte. Ihre Augen weinten regelrecht vor Schmerz. Sie war sehr abgemagert und wirkte furchtbar eingefallen. Ich werfe ihr immer Futter auf eine Mauer (hier ein älteres Foto von ihrer Fütterung) und sie versuchte es wie immer zu erreichen, konnte aber nicht aufstehen - sie wirkte an den Hinterläufen wie gelähmt. 

Ein Trauerspiel. Es regnete in Strömen und ich kam nicht an sie ran, denn in diesem dichten Unterholz war beim besten Willen kein Durchkommen und es war inzwischen dunkel geworden. Sie reckte ihren Hals und fraß ein paar Brocken, die sie liegend erreichen konnte ... ihr Fell war durchtränkt vom Schnee und Hagelregen, auch ich sah inzwischen verheerend aus, aber ich kam einfach nicht an sie ran. So fuhr ich frustriert nach Hause, zumal ich im Dunkeln ohnehin nichts erreichen würde. Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen. Maggas Blick verfolgte mich und so machte ich mich bereits um 05.00 h in der Frühe wieder auf in der Caldera, um nach diesem armen Geschöpf zu sehen ... sie lag nun nicht mehr hinter dem dicken Stein, an dem ich sie am Abend zurückgelassen hatte. Ich bahnte mir also einen Weg durchs Gestrüpp ... weit konnte sie ja kaum gekommen sein, sofern sie die Nacht überhaupt überlebt hatte ... ich fror, zerkratzte mir Arme und Beine und hoffte unentwegt, dass sie gleich auftauchen würde ... dann endlich sah ich sie ... zusammengekauert lag sie im Unterholz. Es regnete schon wieder in Strömen und für unsere Insel hatten wir zudem eiskalte Temperaturen. Wie ich sollte ich sie bloß bis zum Auto tragen?? Denn trotz ihres ausgemergelten Zustands würde sie schon noch einige Kilos auf die Waage bringen. Inzwischen waren einige Stunden vergangen und ich traute mir zu, meinen Freund Peter aus dem Bett zu klingeln, der dort zusammen mit Angelika eine Finca betreibt und Kutschfahrten durch die Caldera unternimmt und mich und meinen Wagen nicht nur einmal via Pferd wieder aus dem Gestrüpp gezogen hat... und wie immer – wirklich immer – wenn ich ihn in einem Notfall brauche, war er binnen weniger Minuten zur Stelle. Magga kroch auf allen Vieren vor lauter Angst wieder ein paar Meter tiefer ins Gebüsch, aber sie wusste instinktiv, dass ich ihr helfen wollte – dafür kennen wir uns zu lange ... sie ließ sich eine Leine umlegen und so konnten wir sie dann durch die tiefen Pfützen watend zum Auto tragen. 

Wie versteinert lag sie in der schönen warmen Decke und spürte, dass ich ihr helfen wollte. Ich hoffte inständig, dass es möglich sein würde, ihr zu helfen. Die Entscheidung hierüber würde gleich in der Tierklinik fallen. Fragend stierte ich meinen Tierarzt an und welche Erleichterung .... sie würde es wohl schaffen. Man hatte ihr vermutlich mit einem Knüppel auf die Hinterbeine geschlagen, die ziemlich mitgenommen, dennoch aber nicht gebrochen waren. Wahrscheinlich konnte sie noch schnell genug abhauen, als man auf sie losgeschlagen hat. Nun bekommt sie einige Medikamente und wird wohl bald wieder auf dem Posten sein. Zudem hat sie Ricketsien, die nun ebenfalls medikamentös behandelt werden.

Nun ist sie bei mir zuhause und so glücklich.  Sie frisst und trinkt schon und in ein paar Tagen werde ich sie sich dann hoffentlich wohl auch wieder bewegen sehen. Ihre Augen werden schon leuchtender und das Schwänzchen, das sich bislang noch nie bewegt hat, fängt schon ganz vorsichtig an, zu wedeln.

Ja, meine Magga.... sie werde ich nicht mehr zurück in den Hexenkessel Caldera lassen, denn ich bin glücklich, dass sie mir vertraut hat und sie kann bei mir bleiben – für immer.

Aber wie man sieht, in der Not vertraut sie mir ... vor Jahren noch bissig und aggressiv, dann scheu und ängstlich und nun eine Schmusetante vor dem Herrn.

Es ist wunderbar, dass ich dieses arme Geschöpf nun endlich bei mir haben kann. Mein Aguas liebt sie ganz besonders (hier im Bild) und auch mein Macho vom Dienst, Bronco, ist ihr sehr zugetan.

Wieder mal ein happy end der ganz besonderen Art ....

Elke Rossmann im April 2004


 

[zurück]