JUANITA 3 Wochen ohne Wasser und Brot ...

Das ist der Bericht von Juanita.  Ihr  Geschichte  beginnt mit  der 
Schließung der Fleischfabrik im Esperanzawald.  Die Fabrik schloss 
ihre Pforten und zurück blieb  die  Mischlings-Boxerhündin Juanita 
mit ihren 12 Welpen, die etwa 2 Monate alt waren.

Es war  sehr  schwer,  sie  einzufangen,  zumal  ich  sie  ja  kaum 
kannte. Daher musste ich sie vorher  narkotisieren.  Als ich an der 
Fleischfabrik   stoppte,  hörte   ich   von  einem  ihrer  Kinder  ein 
furchtbares Jammern und  Winseln.  Ich  wollte  nachsehen,  aber 
das  war  erst  einmal  unmöglich,  da  das  ganze  Anwesen hoch 
eingezäunt ist. Aber ich entdeckte ein Loch am  Boden des Zauns, 
durch das ich mich quetschen  konnte  und  gelangte  so  auf das 
Grundstück. Von innen ließ sich das Tor  öffnen und es ging somit 
leichter. Ich holte die  inzwischen  schlafende Juanita  zuerst und 
verfrachtete sie in eine Transportbox. Ihr  kleiner Schreihals hatte
sich in einer Schlingpflanze verheddert und  kam  dort  von alleine 
nicht  mehr  heraus.  Er  muss  schon  länger  dort  festgehangen 
haben, denn er überlebte die  Fahrt  in  die  Tierklinik  leider nicht 
mehr. 

Dann alarmierte ich meinen Mann, um mir zu  helfen,  die  anderen 
Kleinstausgaben   einzufangen.  Unter   schwierigsten  Umständen 
gelang es uns, die anderen  11,  die  überall  mit  uns  verstecken 
spielten,  einzufangen.  Diese   Fangaktion   dauerte   bis  in  den 
späten Abend hinein und nach den  letzten  Welpen  mussten  wir 
obendrein noch mit der Taschenlampe  suchen,  aber dann hatten
wir sie doch endlich alle beisammen.

Juanita wurde sterilisiert und wir brachten sie dann an ihren  Platz
zurück, da sie dort recht gut leben  konnte  und  viel  Freiraum  in 
dem   umzäunten  Gelände   hatte.  Ich   schloss   sie   in   meine 
Fütterungstour  mit  ein  und  so  bekam  sie  regelmäßig  Wasser, 
Fleisch  und  Trockenfutter.  Meistens  brauchte  ich  mich  nicht 
einmal mehr durch Hupen anzukündigen,  sie  lag  schon  immer in 
der Sonne und freute sich dann  umso  mehr,  wenn  ich  kam. So 
war es immer bis vor 3 Wochen.

Juanita war weit und breit  nicht  zu  sehen  und  ich  konnte  es 
einfach nicht glauben. Ich rief minutenlang  nach ihr,  aber nichts 
tat sich. Immer  wieder  fuhr  ich  dort  vorbei  und  immer wieder 
musste ich  enttäuscht  wieder  fahren.  Eigenartigerweise waren 
Wasser und Trockenfutter  unberührt,  das  Fleisch  jedoch  weg. 
So verging die erste Woche, die zweite Woche folgte und es war 
nichts,  aber  auch  gar  nichts  von  ihr  zu  sehen,  bis  auf den 
gestrigen  Tag  in  der  inzwischen  3.  Woche,  dem  15.02.2002. 
Tanja rief mich aus Deutschland auf meinem  Handy  an  und  ich 
verweilte während des Telefonats mit ihr  eine  längere  Zeit  vor 
dem Tor des Grundstücks.  Ja  und  nach  einer  Weile  hörte  ich 
dann ein jämmerliches Weinen, Bellen und Heulen. Das konnte nur 
Juanita sein. Ich sah mich überall um, konnte sie  jedoch anfangs 
nirgends entdecken, bis mein Blick auf ein  Fenster  in  der ersten 
Etage des Gebäudes fiel, hinter dem  sie  schon  völlig  entkräftet 
immer wieder hoch sprang, um auf sich  aufmerksam  zu  machen. 
Zwischenzeitlich hatte man eine dicke Kette  am  Tor angebracht 
und ich musste mich buchstäblich noch einmal durch  dieses Loch 
graben, um dann wie eine  Schlange  durchzukriechen. Ich bin um
das Gebäude gerannt, aber es war  verriegelt und verrammelt und
ich wurde schier verrückt, nicht an  meine  arme Juanita heranzu- 
kommen. Ich bahnte mir meinen Weg durch die Katakomben durch
Müll und Dreck und kletterte über einen  Haufen  Gerümpel, bis ich 
auf  ein  typisches  spanisches  Klappfenster  stieß,  welches von 
oben   aufgeschoben   wird.   Juanita   erwartete    mich    schon 
sehnsüchtig dort, sie muss mich  wohl  gehört  haben.  Ich  schob 
unter erheblichen  Anstrengungen  dieses  Fenster  hoch  und zog 
Juanita   an   den    Vorderbeinen   heraus.   In    meinen   Armen 
angekommen, brach dieses arme Geschöpf dann  völlig  entkräftet 
zusammen.   Sie  war   dermaßen   durstig,   dass  ich   es   nicht 
beschreiben kann. Hätte  ich  sie  gelassen,  hätte  sie  sicherlich 
mehrere Eimer Wasser gesoffen.  So  bekam  sie  es  jedoch  erst 
einmal nur in Maßen und ihr Zustand verbesserte  sich sukzessive,
aber laufen  konnte  sie  nicht  mehr.  Irgendwer  hatte  sie  dort 
eingesperrt  und  ihr   sicherlich  nur    dann  und  wann  mal  ein 
Bröckchen zum Überleben hingeworfen. Sie war nur noch  ein  mit 
dünner Haut überzogener Schatten ihrer selbst.  Ich  hoffe,  dass 
sie überleben wird. Sie bekommt  immer  noch  in  unregelmäßigen 
Abständen   Schwindelanfälle,   obwohl  es   ihr  so   nun   schon 
wesentlich   besser  geht.   Sie   bekommt    eine   extra   Ration 
Aufbaufutter  und  vertrug   und  verträgt  sich  mit   all  unseren 
Hunden vorm  Haus  von  der  ersten  Minute  an  ausgezeichnet. 
Heute  morgen,  als  meine  Hilfe  Iris  ihr   Futter  geben  wollte, 
reagierte sie mit einer  Panikattacke  und  versuchte  verzweifelt 
über die Mauer zu springen, da sie wohl  dachte,  man  wolle  sie 
wieder irgendwo einsperren oder wegbringen.  Sie  hängt  an  mir 
wie eine Klette und wenn ich nun  fort  gehe,  muss  mich  immer jemand bis ans Tor begleiten,  um  Juanita  abzulenken.  Sie  hat 
enorme Verlustängste und  verständlicherweise  hängt  ihr  diese 
Zeit des über Wochen  ganz  alleine  Eingesperrtseins  in  diesem 
baufälligen  Gebäudeknast noch sehr nach. Das Thema ist jedoch 
mit  Juanitas Rettung  für  mich  noch  nicht  abgeschlossen.  Ich 
werde  recherchieren, wer dafür verantwortlich  ist,  dass  dieses 
arme Geschöpf dort ohne Wasser und Nahrung eingesperrt wurde
und dies zur Anzeige bringen.

Aber  sie  ist  ein  so  dankbares  und  liebes  Tier,  dass  ich  mir 
momentan eigentlich nur  wünsche, auch  für  sie  vielleicht  eine 
Familie zu finden,  die ihr ein richtiges Zuhause gibt.  Ich bin sehr
glücklich  darüber,   dass  mich  Tanjas  Anruf  genau  zu  diesem 
Zeitpunkt erreicht hat, denn dadurch habe ich länger  als  normal 
dort am Tor gestanden, sie gehört und konnte sie dann befreien.

Nun hat meine Hilfe Iris einige Tage frei und ich finde zwangsläufig
etwas  Zeit   diesen  Bericht   zu   schreiben  -  um   mich  herum 
Miniaturausgaben von Hundewelpen, die ich am gleichen Tag noch
gefunden habe und die ich nun mit der Flasche groß ziehe und die 
nun alle 2 Stunden nach mir oder  besser  ihrer  Milch  verlangen. 
Ich hoffe sehr, dass auch sie alle überleben.

Ich habe Fotos von Juanita und  ihrer Zwangsbehausung gemacht 
und  werde  sie  diesem   Bericht,   sobald   sie   entwickelt  sind, 
natürlich noch hinzufügen, so  dass  ich  Euch  bitte,  vielleicht in 
einigen Tagen noch einmal hier vorbeizuschauen,  denn  vielleicht 
ist gerade Juanita  die  Hündin,  nach  ihr  schon  immer  gesucht 
habt ......

Elke Roßmann

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