Das Schicksal der Ente PATI – 
oder von der Hölle ins Paradies

„Pato“ heißt auf spanisch Ente. Daher  nannten  wir  diese  arme, 
gepeinigte    Kreatur  PATI.   Auf   unseren   3 x   wöchentlichen 
Fütterungsfahrten  versorgen  wir  unter  anderem  ebenfalls  die 
Hunde  von  sozial  schwachen  spanischen  Familien.  Zu  diesen 
Gruppen  gehören  auch  Drogensüchtige  und   in  diesem  Sinne 
Bettelnde. Diese Bettelnden halten Hunde  und  andere Tiere, wie 
auch die Ente Pati. Man  bedient  sich  dieser Tiere, um Mitleid zu 
erregen, da Passanten sich dadurch eher  verleiten  lassen, einen 
Spendenobolus zu geben. Wenn wir  diesen  Personen  die  Hunde 
wegnehmen würden, hätten diese  binnen  kürzester  Zeit  wieder 
neue – somit versorgen wir ihre Hunde ebenfalls, ansonsten ginge 
es diesen Tieren sicherlich noch schlechter als den Hunden in den 
Bergwäldern   Teneriffas,  sofern   dieses  Elend  überhaupt  noch 
steigerungsfähig ist.

Anlässlich einer unserer Fütterungsfahrten im  Ortsteil  Esperanza 
(Esperanza   heißt  übrigens   Hoffnung),   direkt   an   den  Wald 
angrenzend, hörten wir bei der Fütterung der angeketteten Hunde
undefinierbare Geräusche  aus  einem  angrenzenden,  verfallenen 
„Gebäude“. Aufmerksam geworden  gingen  wir  diesem  Geräusch 
nach und  trauten  beim  Betreten  dieser  Hütte  unseren  Augen 
nicht.    An  einer   kahlen   Wand   hing  in  etwa  2 m  Höhe  die 
Kleinstausgabe  eines  selbst  gefertigten  Drahtkäfigs.  Darin  saß 
oder   besser  hockte    zusammengekauert  ein  bedauernswertes 
Geflügeltier, die Ente Pati. 

  

Dieses arme Geschöpf konnte sich in  diesem  Zwangskäfig  kaum 
bewegen,   sondern    lediglich   vor   sich   hin    hocken.    Das 
Entengefängnis hatte nur  nach  vorne  hin  eine  kleine Öffnung, 
durch die die  Ente  gerade  einmal  den  Kopf  hindurch  stecken 
konnte.  Vor  diesem  Loch  war  ein   zusätzliches   Drahtgestell 
angebracht, auf dem eine  verdreckte  Plastikschüssel  stand. In 
diesem   Gefäß   war   nur   unsauberes   Wasser   mit   Stücken 
aufgeweichter Brotreste, das  war  alles,  wovon  die  Ente  Pati 
tagtäglich ihr Dasein fristen musste. Die ganze Wand, an der der 
Käfig hing, war von oben bis unten  mit  Entenkot  verdreckt. Ein 
Zeichen der langen tierquälerischen Haltung.  Wie  lange  musste 
dieses arme Tier wohl  schon  dort  gehangen  haben?  Die  Ente 
machte   einen  traurigen,   tristen  Eindruck,   was   man  unter 
derartigen  „Haltungsumständen“ auch gar nicht anders erwarten 
konnte. Somit war es  beschlossene  Sache für  uns, dieses arme 
Lebewesen aus seiner misslichen  Situation zu befreien. Nur wann 
und wie, das war die Frage. Freiwillig  würden  diese  „Menschen“ 
die Ente nicht herausgeben. Wir mussten  somit  einen  Zeitpunkt 
abpassen, zu dem jene Personen  nicht  anwesend   waren.  Dies 
gestaltete  sich  natürlich  erst  einmal  schwierig,  zumal  wir ca. 
50 km von der Ortschaft La Esperanza entfernt wohnen. An einem
der Folgetage, an dem  wir  keine Fütterungsfahrt hatten, hatten 
wir Glück. Es schien niemand anwesend zu  sein.  Vorsichtshalber 
hatten wir Zange und diverses Werkzeug eingepackt,  um  dieses 
arme Geschöpf  endlich  befreien  zu  können.  Dieses  war  auch 
nötig,  denn  das  Entengefängnis   war   mit   an  in   die  Wand 
eingeschlagenen   großen  Nägeln  und   Drahtstücken  befestigt. 
Schnell  waren  die  Befestigungsstücke  entfernt  und  der  Käfig 
samt  darin  befindlicher  Pati  konnte  von  der  hohen  Wandbe-
festigung abgenommen werden. Die Ente direkt  herauszunehmen, 
war  nicht  möglich,   denn   der  Käfig   hatte  keine  zusätzliche 
Öffnung. Es blieb auch erst  einmal  keine  Zeit  hierfür,  da  diese 
„Menschen“ ja jederzeit hätten plötzlich  auftauchen  können und 
dann hätte es definitiv Ärger gegeben.

Somit nahmen wir den Käfig mit der Ente Pati und lugten links und
rechts  auf die Straße, ob die Luft rein  war und  eilten sodann zu 
unserem Auto, das wir bewusst weiter  weg  gestellt  hatten.  Es 
war alles ruhig und  auch  aus  der  angrenzenden  Nachbarschaft 
schien von dieser  Rettungsaktion  niemand  etwas  mitbekommen 
zu haben. So fuhr Pati von hier ab mit uns in ihr neues Leben.

Glücklicherweise zählen wir eine deutschsprachige Engländerin zu 
unseren Bekannten, die  mit  ihrem  Lebensgefährten hobbymäßig 
viele exotische Enten und  Gänse  in  einer  vorbildlichen  Haltung
hält,   wozu   ein   künstlich   angelegter   See,  eine  biologische 
Kläranlage für das Seewasser und  hervorragendes  Futter für die 
Tiere zählen. Diese nette Dame namens Maya  war  sofort  bereit, 
die arme Pati bei sich aufzunehmen.

So machten wir uns dann gemeinsam daran,  das  Drahtgefängnis 
unserer Ente Pati mit großen  Zangen zu öffnen.  Dieser  schäbige
Käfig war wirklich ein wahres  Gefängnis, denn außer der  Öffnung 
für  den  Entenkopf  zur  Futteraufnahme  gab  es  keine  weitere 
Öffnung mehr und alles war fest verdrahtet. 

Unsere nunmehr befreite Pati glaubte wohl zu träumen,  denn  nie 
hatte  sie  den  Himmel,  die  weite  Welt,  geschweige  denn  ihr 
Lebenselement das Wasser gesehen. Hier sollte und  konnte  Pati 
nun fortan mit  vielen  ihrer  Artgenossen  leben.  Wir  alle  waren 
glücklich, stolz und zufrieden, dieses  arme  Geschöpf  aus  seiner 
Misere gerettet zu haben.  Die  Bilder aus  der  früheren Tristesse 
und Patis jetzigem paradiesischem  Lebensraum  veranschaulichen 
sicher gut das „Früher“ und „Heute“.

Pati ist inzwischen eine feiste, dicke Entendame und  erfreut  sich 
nunmehr eines würdigen Entendaseins.
 
 

Elke Roßmann

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