09. Januar 2006:

... ein Bericht von Bettina Müller

Es ist Ende April, ich bin endlich wieder auf Teneriffa ... ein wunderschöner Tag ...und Elke und ich sitzen wieder in tierischer Mission im Auto auf dem Weg in die Klinik. Freunde haben einen  verletzten Husky im Wald aufgegriffen, der hinter uns im Wagen liegt. Da wir nicht wissen, wie ernst das Tier betroffen ist, gibt Elke ordentlich Gas und Gott sei Dank sind die Strassen an diesem Abend auch wenig befahren. 

Kurz vor dem Ziel passieren wir ein kurviges Waldgebiet. Die sc hmale Strasse führt an einer kleinen Parkbucht vorbei und im letzten Augenblick erhaschen meine Augen den Anblick eines kleinen Fellbündels, das mutterseelenallein auf diesen wenigen Quadratmetern hockt. Ich brülle der armen Elke ins Ohr: ANHALTEN!!! HUND!!! Ja wenn das mal so plötzlich und ohne weiteres machbar wäre hier in diesen unübersichtlichen Kurven. Nach ca. 100 m ist aber eine Stelle mit freier Sicht. Während Elke ohrenreibend mit Warnblinkanlage die Strasse im Auge behält, rase ich im Schweinsgalopp zu der Parkbucht, wo schon vorsichtig ein paar kleine Knopfaugen auf die Strasse lugen. Mit atemloser Raucherlunge krächze ich: Komm schnell zu Mama!! Und die Kleine kommt auf mich zu gehoppelt, so schnell sie kann und springt mir in die Arme...superglücklich und außer Puste präsentiere ich Elke stolz meine 'Beute', ein süsses kleines Hundemädchen, dem die Flöhe nur so auf der Nase rumtanzen. Glücklich schmiegt sie sich in meine Arme und macht einen ganz zufriedenen Eindruck. In der Tierklinik lassen wir sie direkt durchchecken und sie bekommt von mir den Namen BAMBINA. 

Ihre Fotos schicken wir abends noch an die Mädels in Deutschland und Simona verspricht mir, das allerbeste Zuhause der Welt für sie zu finden. Das lässt auch nicht lange auf sich warten. Elona M. aus der Nähe von Nürnberg und ihre Familie - ja sie haben all das zu bieten, was wir uns für Bambinchen wünschen. Tierliebe ohne Grenzen, ein schönes Haus mit wunderbarem Garten in einer friedlichen Gegend inklusive netter kleiner Artgenossin. Nach einer begeistert berichtenden Vorkontrolle heißt es jetzt noch schnell eine Flugmöglichkeit finden. 

Die bietet sich auch recht kurzfristig mit Hilfe einer lieben Vereinsfreundin, die ihre Wahlheimat Teneriffa für einen kurzen Besuch Richtung Alemania verlassen will. Telefonisch bekommen wir die Daten und melden klein Bambinchen für den Flug nach  S t u t t g a r t  an. 

Auch Elona M. und Familie sind schon in froher Erwartung, und die Strecke Nürnberg - Stuttgart ist mit einer Länge von gut 200 km zwar schon ziemlich lang, aber  noch halbwegs gut zu bewältigen an einem heißen Frühsommertag. Der Tag der Abreise kommt, die Flugpatin holt Bambinchen bei Elke ab, gemeinsam macht man sich auf den Weg zum Flughafen. 

Elke ist an diesem Tag auch wie immer wieder unterwegs, als sich unsere Flugpatin noch einmal kurz auf Elkes Handy meldet, um durchzugeben, dass alles perfekt ist und sie und Bambina gleich in die Luft steigen. Eine Begriff allerdings trübt die Idylle, es fällt das böse Wort "F R A N K F U R T" - Elke denkt, sie hat sich verhört, aber nein, dieses Wort ist wirklich gefallen. Um Himmels Willen!! Wer hat denn hier was und wen nicht verstanden?? Der Flug geht nach Frankfurt????? und nicht nach Stuttgart??!!!!! Dem bösen Wort Frankfurt folgt das Unvermeidliche ein noch böseres Gefühl, das mit 'P' wie Panik beginnt ...  Als erstes versucht Elke uns in Deutschland zu erreichen, gut, dass die meisten von uns arbeiten sind Gott sei Dank ist Simona auch während ihrer Arbeitszeit meist gut zu erreichen. Es ist jedenfalls alles zu spät: Flugpatin und Hund haben eingecheckt - rien ne va plus - nichts geht mehr! 

Schweiß gebadet denken wir nur an unsere arme Familie Markmann, die unseres Wissen nach kein Handy besitzen, und eine Nummer desselbigen haben wir gleich gar nicht. Die Armen sind kurz davor, sich auf den Weg zu machen, das wissen wir, und es sind über 30 Grad im Schatten!! Unsere letzte Info war, dass sie am Morgen noch einen Arztbesuch tätigen wollten, um dann sofort im Anschluss in Ruhe zum Stuttgarter Flughafen zu fahren. Zuhause geht niemand mehr an den Apparat... Nachbarn? nicht zu erreichen. In Deutschland glühen die Telefondrähte heiß, uns rennt die Zeit weg und das böse Gefühl mit 'P' wird immer schlimmer ...

Scheibenkleister...wir überlegen kurzfristig  bei den Ärzten anzurufen, fragt sich nur bei welchen??? Nun hilft alles nichts mehr wir lassen die Markmanns am Stuttgarter Flughafen ausrufen. Es vergehen endlose Minuten und Stunden, bis sich dann Gott sei Dank eine erstaunte Familie Markmann meldet, die inzwischen am Flughafen eingetroffen ist und selbst festgestellt hat, dass in Stuttgart kein Flug aus Teneriffa ankommt. Erst einmal sind wir erleichtert, dass sie ein Telefon dabei haben, und dann können wir nur noch beschämt diese peinliche Panne mitteilen. Wir erwarten unsere verdientermaßen - verbale Einäscherung, schlimmstenfalls einen Rücktritt von der Vermittlung, fragen uns gleichzeitig, wen wir auf schnellstem Weg nach Frankfurt jagen können, damit Babinchen schlussendlich nicht noch alleine am Flughafen steht ... ein Königreich für einen klaren Gedanken, derweil Bambinchen Deutschland immer näher kommt ... 

Aber da haben wir die Rechnung ohne Familie Markmann gemacht. Hier wird nicht lange gefackelt. Kurz gefragt, wann die Maschine in Frankfurt landet, schon rasen sie zum Auto, tanken noch mal voll und schon machen sie sich wieder auf den Weg noch mal 200 km weiter ...wir sind einfach nur sprachlos über die Toleranz dieser lieben Familie... und sie schaffen es auch noch rechtzeitig da zu sein! Wie sie das gemacht haben in der kurzen Zeit  ist uns wirklich schleierhaft, ja und eine Klimaanlage hatten sie auch nicht... das ist der Stoff, aus dem Helden gemacht sind. 

Zwischenzeitlich hat Elke eine "kriminaltechnische" Flugpatenbeschreibung durchgegeben. Blonde Dame mit rotem Oberteil und "Rosenhose" - na besser als Regen-Hose, das ist ja wohl ein prima Erkennungszeichen und wir haben zur Sicherheit wieder einmal die Flughafenbeschallung bemüht. Erstens haben wir so etwas noch nie gemacht, zweitens schon einmal gar nicht zweimal und drittens schon einmal überhaupt nicht an 2 verschiedenen Flughäfen.

Ein Happy-End gibt es dann doch noch an diesem Tag, als Vater Markmann die kleine Bambina in die Arme nimmt, die sich dort sofort fallen lässt. Nun sind wir zwar alle erleichtert, aber Bambinas neue Familie tut uns unendlich leid, dass sie nun noch bei der fürchterlichen Hitze wieder 400 km Rückreise haben. Kein Vorwurf kommt über ihre Lippen, im Gegenteil: ein verständnisvolles 'so etwas kann doch mal passieren'... wir könnten sie knutschen und stellen fest, dass diese Menschen wohl unsere Bambina mehr als verdient haben, denn sie sind mindestens genauso besonders wie sie! 

Liebe Markmanns, Ihr seid für uns die Familie des Jahres, und wenn es bei uns eine Rubrik gäbe "Menschen 2005" dann wäret ihr dort an erster Stelle! DANKE!
 

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