Rody

31. Januar 2009:

 

Liebe Elke, liebe Nadja, liebe Zurückgebliebenen,

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ich bin’s Julius alias Rody, der Auswanderer. Ja, ich heiße jetzt Julius und der Name gefällt mir ganz gut. Ich weiß schon, dass das mein Name ist und reagiere super darauf (wenn ich es so will), sagt meine neue Mama. Überhaupt frage ich mich, wo denn meine Familie sooooo lange war... Aber mal von Anfang an. Ich möchte Euch erzählen, wie es mir so ergangen ist auf meiner weiten Reise und ein paar Fotos sende ich auch (übrigens,die dralle Rothaarige gehört zu mir).

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Nach einer langen Flugreise kam ich dann etwas unterkühlt in Frankfurt an. (Bitte achtet im Falle Eurer Auswanderung auf eine anständige Fluggesellschaft, die auch beheizte Plätze verkauft). Meine neue Familie und meine Patentante warteten schon auf mich. Ich konnte endlich diesen Kasten verlassen und wurde sofort hochgerissen und schmatzend abgeküsst, was mir sehr suspekt vorkam, aber ich verhielt mich mal ganz ruhig. Jetzt weiß ich, dass das „Zwangsschmusen“ ist. Gar nicht schlecht, sag ich Euch.

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Auf dem Weg nach Hause habe ich gut geschlafen nach der anstrengenden Reise. Mein neues Zuhause hat mir sofort so gut gefallen, dass ich nicht anders konnte, als gleich klar zu stellen, dass diverse Dinge mir gehören. Die habe ich dann markiert. Leider habe ich mich auf meiner Reise so erkältet, dass ich gleich einmal meinen Hausarzt konsultieren musste. Der ist ganz ok, wenngleich er auch viel schwätzt. Außerdem musste ich lernen, dass man hier regelmäßig Gassi gehen muss und das bei Wind und Wetter. Am Anfang hatte ich dazu gar keine Lust und musste aufgrund meiner Erkältung auch noch einen Mantel anziehen (wie peinlich für einen Macho..). Jetzt macht es mir richtig viel Spaß mit meinen neuen Freunden zu rennen und zu toben. Ich gehe ab wie Schmidts Katze, sagt meine Mama.

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Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es jedoch. Sie haben hier ein Wort, das heißt „NEIN“ und als ich mal so einfach mein neues Zuhause markierte, habe ich es das erste Mal gehört. Ich höre es nicht oft, aber NEIN ist z.B. Nein, die Katze wird nicht gejagt, nein, der Schrank wird nicht angepieselt. Ja, ihr habt richtig gehört, ich lebe mit einer Katze (igitt). Ich war auch anfangs sehr erstaunt, und konnte es nicht fassen. Inzwischen habe ich mich aber in mein Schicksal gefügt und verstehe mich ganz gut mit ihr. Ich könnte mir sogar vorstellen, mich mit ihr anzufreunden. Liebe zurückgebliebenen Kumpels, macht Euch bitte Notizen...

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Mein Lieblingsplatz ist die Couch, obgleich ich in allen Zimmern mehrere Körbchen zur Auswahl habe. Die Verpflegung ist auch super. Ich habe schon ganz viele neue Freunde gewonnen und die Menschen sagen immer so komische Sachen in einer ganz komischen Stimmlage wie: Oh, ist der aber süüüüüüüüüüüüüüüüßßß. Sie kreischen dann immer so lustig und das gefällt mir. Überhaupt habe ich hier alle(s) im Griff, weil ich soooo süüüüüüüüüüüüß bin.

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So, jetzt muss ich aber Schluss machen. Kümmert Euch bitte um die Zurückgebliebenen und sagt ihnen, dass sich Auswandern lohnt. Macht Euch um mich keine Sorgen mehr – meine Familie gibt mich NIIIIIIIIIIIEEEEEEE wieder her.

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Euer dankbarer Auswanderer Julius Walters

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