Ganz so wie mit den Prinzen in den klassischen Märchen verhält es sich bei unserem Toni nicht, denn seine Geschichte ist kein Märchen, sondern spielt in der Realität … 

Eine Realität, die uns immer noch die Nackenhaare zu Berge stehen lässt, denn seine PAT-Geschichte beginnt an einem heißen Tag auf der Südautobahn, wo der glückliche Zufall für ihn vorgesehen hat, dass er dort von Susanne gesehen wird, wie er - von skrupellosen Menschen einfach kaltblütig ausgesetzt - angebunden an einer Leitplanke mitten auf der Autobahn in der prallen Sonne sitzt, während hunderte von Autos an ihm vorbeirasen und es wohl nur noch eine Frage der Zeit gewesen wäre, bis er von einem Raser erfasst und sein Leben an dieser Stelle zu Ende gewesen wäre … Susanne setzt sich selbst größter Gefahr aus, aber das ist ihr egal – es gilt diesen armen Hund erst einmal zu retten, was ihr auch gelingt und so zieht Toni noch am gleichen Tag bei uns auf der PAT-Finca ein. Das ist Mitte Mai 2006.
       

Was dieser Hund mitgemacht hat, lässt sich nur erahnen. Eins ist sicher, er wurde geschlagen und das nicht zu knapp. Sein Blick ist gebrochen und sein letzter aufrechter Gang liegt wohl schon lange zurück. Er ist starr in seiner Mimik und seinen Bewegungen, sofern man von Bewegungen überhaupt sprechen kann, denn wenn er läuft, dann kriecht er eigentlich nur – aus Furcht, wieder geschlagen zu werden. Toni gleicht einem Autisten – er scheint permanent in seine eigene Gedankenwelt zurückgezogen und nimmt das Leben um sich herum erst einmal gar nicht wahr … und doch scheint er zu bemerken, dass es hier anders ist. Niemand tut ihm weh, niemand bedrängt ihn … und kaum merklich und ganz langsam fasst Toni wieder Vertrauen und dass obwohl ihm die Menschen so viel Leid angetan haben.

Nach rund 8 Wochen Fürsorge und Wärme hat er zum aufrechten Gang zurückgefunden, findet wieder Spaß am Spiel mit Artgenossen und scheut auch die menschliche Hand nicht mehr… Toni kommt in die Vermittlung. 

Feinfühlige Menschen sind hier gefragt, Menschen, die ihm Zeit lassen, Rücksicht auf seine Vorgeschichte und seine Ängste nehmen… Bei Bettina häufen sich die Wohnungsangebote und doch wissen viele auf Fragen in Richtung was wäre, wenn? dann so gar keine Antwort.  So vergehen die Wochen, in denen Toni auf Teneriffa immer bessere Fortschritte macht. Inzwischen ist er von den anderen Hunden verhaltensbedingt kaum noch zu unterscheiden und hat enorm an Selbstbewusstsein gewonnen. Wenn doch da bloß nicht all die anderen wären, mit denen er die Nestwärme teilen muss. Er weicht Elke inzwischen nicht mehr von der Seite und liegt zu ihren Füßen, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet … ja, ein Platz als Einzelhund für ihn wäre ein Traum.

Im August 2006 melden sich dann die Eheleute Pröpper aus V. bei Bettina, die sich eigentlich für einen anderen Hund interessieren, obwohl sie sich sofort vom Bild in Toni verliebt haben, sich aufgrund seiner Vorgeschichte aber nicht sicher sind, ob sie ihm gerecht werden können. Im Laufe des Gesprächs ergibt sich, dass sie aber eigentlich genau so einen Hund wie Toni suchen und dass hier eigentlich einfach alles passt, die Vorkontrolle bestätigt den positiven Eindruck … Tonis zuhause ist gefunden. Da Tanja zurzeit noch auf Teneriffa weilt und auf ihrem Rückflug am 26.08. noch eins von zwei Hundetickets unbesetzt ist und Fam. Pröpper Tonis Ankunft kaum erwarten kann, ist der Flug binnen kürzester Zeit geritzt – so Toni, nun beginnt bald dein neues Leben … 

Abflugtag 26. August 06: um 17.00 Uhr ist der Abflug auf Teneriffa vorgesehen, planmäßige Ankunft Düsseldorf um 22.50 Uhr. Daraus wird zu unserer aller Frust dann  Abflug 19.30 Uhr,  planmäßige Ankunft 00.40 Uhr  …  und so vertreiben wir uns am Südflughafen auf einer Bank die Zeit, bis wir endlich einchecken können, derweil in Deutschland Fam. Pröpper, die Bettina Gott sei Dank noch rechtzeitig von der Verspätung unterrichten kann, der Nacht entgegenfiebert … 

 
… um 19.30 Uhr geht es dann endlich los …  nun heißt es Abschied nehmen von Tenerife, von Elke, von Julia u. Fabienne und ein bisschen Abschiedsschmerz liegt schon in der Luft. Ein letztes Küsschen auf den Nasenrücken – nur das Beste für dich Schatz – mit diesen Wünschen von Elke geht es für Toni auf die Reise ….  

Es ist nach 01.00 Uhr, als wir endlich in Düsseldorf die Koffer haben, bewaffnet mit einem Fahndungsfoto von Tonis neuem Herrchen geht es durch den zu nachtschlafener Zeit unbesetzten Zoll … und da stehen sie sofort, ganz vorne und warten auf ihren Toni … Herr und Frau Pröpper - …. und ich weiß, jetzt hat er es geschafft … ich bin von der Liebe und Fürsorge um Toni gerührt und mag seine neuen Menschen vom ersten Moment an …

Es ist spät, alle sind erledigt und so machen wir uns alle schnellstens auf den Heimweg und erst später fällt mir im Auto ein, dass nun leider auch das Familienfoto am Flughafen auf der Strecke geblieben ist … 

Toni hat die Herzen seiner Menschen im Sturm erorbert und niemand im Hause Pröpper möchte ihn mehr missen … und eine kleine spanische Freundin hat er auch schon gefunden, eine Freundin von Frau Pröpper bot sich für gemeinsame Spaziergänge an, damit Toni sich im deutschen Alltagsleben an einem zweiten Hund besser orientieren und seine Ängste besser abbauen kann … die Kleine kommt auch aus Teneriffa … auch von Pro Animal de Tenerife – sie heißt MADI und Flugpatin war im Januar 2005 meine Mutter … die Welt ist eben doch manchmal ziemlich klein ;-)

Dir, kleiner süßer Toni, wünschen wir alles Glück dieser Welt, das du so sehr verdient hast – nun bist du kein Wegwerfhund mehr, den keiner will, sondern ein kleiner Prinz, für den seine Menschen die Sterne vom Himmel holen … 
 

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