Abel

Anlässlich  eines   unserer  Besuche   im   sogenannten   örtlichen
Tierheim haben wir  Abel kennen  gelernt. Am  äußersten Ende der 
Einzäunung lag  eine  arme, braun-schwarz gestromte Kreatur, bis 
auf   die  Knochen  abgemagert,   völlig   bewegungsunfähig   und 
wartete auf das Ende seines  irdischen  Daseins. Lt. Auskunft des 
„Pflegers"  läge   dieser   Hund   dort  bereits  seit  8  Tagen.  Der 
zuständige  Tierarzt   würde   mangels   Bezahlung   rückständiger 
Honorarrechnungen   durch  die   Gemeinde  nicht   mehr   in   das 
Tierheim  kommen,  trotz  angeblicher  telefonischer Aufforderung. 
Der  Hund  sei  angefahren  worden  und   durch  die   Lokalpolizei 
Orotava  im Tierheim  eingeliefert worden. Angeblich  würde dieser 
Hund  nicht  mehr fressen, habe  große Schmerzen und könne sich 
aufgrund  seiner  Verletzungen  nicht  mehr   bewegen.   Natürlich 
kann ein verletztes Tier in einem solch  bedauernswerten Zustand 
kein Trockenfutter mehr  zu sich nehmen. Zuerst einmal gaben wir 
Abel frisches Wasser, welches ihm bis dahin wohl nicht angeboten 
wurde.  Innerhalb  kürzester  Zeit   hatte  er  einen  ganzen  Liter 
Wasser  halb  liegend  zu  sich  genommen.  Den  Inhalt des Nass-
futters  aus  der  Dose,  das wir  ihm anschließend gaben, schlang 
der  arme  Kerl nur  so  runter. Es  war  offensichtlich, dass, wenn 
mein Mann u.  ich uns dieses armen Kerls nicht annehmen würden, 
er  hier  –  insbesondere  mit   seinen  Verletzungen  –  keinesfalls 
überleben würde. Wir legten ihn  vorsichtig  in eine Transportkiste 
und  brachten  ihn   sofort  zu   unserem  Tierarzt.  Die  Röntgen- 
aufnahmen  zeigten  einen   nicht  operablen  Beckenbruch,  der – 
wenn überhaupt  –  nur  durch  Ruhigstellung  heilen  würde. Abel 
wurde alsdann in die Garage unseres nicht anwesenden Nachbarn 
einquartiert,   die   er   uns   für  die  Dauer  seiner   Abwesenheit 
freundlicherweise zur  Verfügung  gestellt  hatte.  Wir  „zerlegten" 
eine Hundeflugbox  und  legten  ihn in  eine der Schalen. Helligkeit 
kam nur etwas durch  die Garagenbelüftungsschlitze, so dass Abel 
einerseits  durch  seine  permanenten  Schmerzen  bzw. durch die 
herrschende Dunkelheit  in  seiner  Bewegung  eingeschränkt war. 
Der  arme  Kerl konnte  nur auf  einer Seite  liegen  und sich nicht 
einmal   aufrichten.  Fressen  musste  er  mehr  oder  weniger  im 
Liegen. So ging das fast 3 Wochen – dann machte er  tatsächlich 
Fortschritte – er begann sich aufzurichten und  kurze  Zeit später 
konnte er sich bereits erheben  und  auf  3  Pfoten  –  wenn auch 
humpelnd  und  unter  Schmerzen  – f ortbewegen,  zumindest um 
abseits seines Lagers  sein  Geschäft  zu  erledigen.  Nach  dieser 
überstandenen  schlimmen Zeit beschlossen wir dann, Abel zu den 
anderen  Hunden  in  unserer  Wohnzimmer  übersiedeln zu lassen. 
Diese Ortsveränderung tat Abel  sichtlich  gut  und  es  motivierte 
ihn  ungemein,  dort  mit seinesgleichen  zu wohnen. So vergingen 
mehrere  Wochen  mit  unserem  weiterhin humpelnden Abel. Dann 
gesellte sich  eines  Tages  eine  arme  kleine  Hündin  zu  unserer 
Wohnzimmer-Hundegesellschaft,   die   es   Abel   außerordentlich 
angetan  hatte.  Er  versuchte,  mit  der  kleinen  Hundedame  zu 
spielen  und  siehe  da,  er  versuchte  seinen  rechten  Hinterlauf aufzusetzen.  Die ersten Tage  instinktiv aus  Macht der Gewohn- 
heit  noch   zaghaft,   dann  aber   immer  häufiger.  Es   dauerte 
nunmehr  nur noch einige Taqe und Abel flitzte in unserem Garten 
hinter seiner  Angebetenen  ohne  besondere  Beschwerden  oder 
sichtbare  Einschränkungen  her.  Aufgrund  der  langen  Zeit  der 
Bewegungsunfähigkeit  hatten  sich  die Muskeln  des  Hinterlaufs 
erheblich  zurückgebildet,  durch die Bewegung  wurden  sie  aber 
fortlaufend neu gestärkt.  Inzwischen kann  Abel mit den  anderen 
Hausgenossen   Ausflüge  in   unserem  Transporter  in  den  Wald 
unternehmen  –  aber im  Gegensatz  zu unseren  anderen Hunden 
weicht  Abel nicht  von unserer  Seite und hält sich immer bei Fuß 
auf, um ja nicht verloren zu gehen.

Abel  ist  ein   ausgesprochen  lieber  und  anhänglicher  Kerl,  in-
zwischen  2 Jahre jung und erfreut sich wieder seines Lebens und 
bester  Gesundheit  –  gut  Ding  will eben  manchmal  doch Weile 
haben.  Zum  perfekten Glück  fehlt  Abel  jedoch  noch eine liebe 
Familie, die nur für ihn da ist und ihn sein Leid vergessen lässt ...

 ... und  die  nette  Familie  hat er jetzt gefunden! Wir freuen uns 
sehr  für  Ihn  und  wünschen  ihm  ein  schönes  Hundeleben  bei 
seiner neuen Familie.

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