Ein Hund namens Beethoven...

  

Eines Tages im Oktober  rief  uns  jemand  aus  der  Gegend  des 
Weinortes Icod de los Vinos, gelegen im Südwesten unserer Insel 
Teneriffa  an.  Icod  de  los  Vinos  liegt  ca.  30 km von unserem 
Wohnort entfernt. Man berichtete uns,  dass schon seit Tagen in 
der  Nähe   des   Bergwaldrandes   oberhalb  von  Icod  auf   den 
abgeernteten  Feldern  ein  großer,  weißer Hund  mit  schwarzen 
Fellflecken dort auf Futtersuche  umherirre. Wieder ein Tier in Not 
– unverzüglich fuhren wir nach Icod de  los Vinos,  an  die  Stelle, 
wo man uns den Aufenthaltsort des  großes  Hundes  beschrieben 
hatte.  Wir  mussten  uns  beeilen,  denn   es  war  schon  später 
Nachmittag und bald würde es dunkel sein. Wir suchten und riefen 
nach dem Hund, aber er war nirgends zu sehen oder zu hören. Ob 
er wohl mangels Futter und Wasser bereits weitergewandert war? 
Gott sei Dank nicht – als  wir  bei  unserer  Suche  in  eine  soge-
nannte Barranco-Schlucht  schauten, entdeckten  wir weit unten 
einen großen,  weißen  Hund. Mit einer solchen Signalfarbe war er 
glücklicherweise  ja  auch  nicht  zu  übersehen.  Aus  dieser Ent-
fernung hatte er  unser  Rufen  sicher  nicht  wahrgenommen. Der 
arme Kerl hockte  in  der  Schlucht  wie  ein  Häufchen  Elend und 
hatte sich  wohl  notgedrungen  auf  weitere  Nacht  geprägt von Hunger und Durst eingestellt. Wir riefen  nun  nochmals laut in die 
Schlucht hinein. Seine Ohren stellten sich  auf,  er  sprang  sofort 
auf und kam hoch erfreut  und  schwanzwedelnd  auf  uns  zuge-
laufen, in der Erwartung, dass ihm vielleicht endlich jemand etwas 
zu  fressen  geben  würde. Da  wir  ja von seiner  Notlage  bereits 
vorab  informiert  worden  waren,   hatten   wir  natürlich  sowohl 
Wasser als auch  Futter  in  ausreichender  Menge  mitgenommen. 
Nachdem er seinen Hunger gestillt  hatte,  fing  er  an  Wasser zu 
trinken und trank und trank und trank – er hörte überhaupt  nicht
mehr  auf.  Man  sollte  wirklich  nicht  meinen,  wieviel Wasser in 
einen Hundemagen passt. Nach diesem  ausgiebigen  Mahl war für 
den armen Kerl der Bann dann vollends gebrochen und  er  kannte 
nur noch uns. Er folgte uns unaufgefordert bis zu  der  Stelle,  wo 
wir unser Auto geparkt hatten und es war  auch überhaupt  keine 
Frage,   in    dieses   einzusteigen.   Kaum   war   die    Seitentür 
aufgeschoben, machte er es sich auch schon im hinteren Teil auf
der ausgebreiteten Decke bequem, so als  wollte  er  sagen  „hier 
gehe ich nicht mehr  weg“.  Unser  Tierarzt  hatte  zu  dieser Zeit 
seine Praxis noch geöffnet,  so  dass  wir  beschlossen, gleich auf 
dem Weg noch  einen  Abstecher  zum  Tierarzt  zu  machen,  um 
unseren Findling untersuchen und durchchecken  zu  lassen.  Don 
Alejandro   untersuchte   den  armen  Tropf  sorgfältig.  Auf  dem 
steinigen Untergrund hatte  er  sich  seine  Fußballen an allen vier 
Pfoten bereits wund gelaufen, so dass diese  zuerst  versorgt und 
gesalbt werden mussten. An den  oberen  Gelenkstellen  hatte  er 
sich   großflächig   blutig   geschürft.   Auch   seine    zahlreichen 
Schürfwunden wurden behandelt.  Am  äußeren  linken  Hinterlauf 
hatte er eine längliche, große offene  Wunde.  Vermutlich  war  er 
irgendwo   abgerutscht   oder   hängen   geblieben.   Die   Wunde 
wurde  mit    einem   Verband   versorgt.  Nach   abgeschlossener 
Wundversorgung kam es dann zum  obligatorischen Chip-Test und 
siehe da, unser Findling  war  sogar  gechipt  und  registriert.  Als 
Besitzer wurde eine Person in der näheren Umgebung von Icod de
los Vinos festgestellt,  um  genau  zu  sein  in  einem  kleinen  Ort 
namens   Guanja.  Aufgrund  der  ebenfalls  registrierten  Telefon-
nummer riefen wir noch vom Tierarzt aus dort an,  erreichten den 
Besitzer sogar und verabredeten für den nächsten Tag am späten
Nachmittag einen Besuchstermin bei ihm. Uns fiel gleich auf,  dass 
dieser Mensch nicht einmal willens  war,  von  sich  aus,  auf  uns 
zuzukommen, zumal  wir  ja  eine  nicht  unerhebliche  Zeit  damit 
verbracht   hatten,  seinen  Hund   einzufangen  bzw.  noch  dem 
Tierarzt  zur  Behandlung  vorzuführen.  Wie  dem  auch sei – am 
nächsten Tag wurden wir also bei diesem  sogenannten „Besitzer“ 
vorstellig, um dem Verlust seines Hundes auf den Grund zu gehen.
Unser Findling hatte zumindest schon  einmal  einen  Namen,  und 
zwar hatte sein Besitzer ihn auf den  Namen  Beethoven  getauft. 
Man zeigte uns dann den Platz,  an  dem  Beethoven gelebt hatte 
oder besser gezwungen  worden  war,  zu leben. Uns traf fast der 
Schlag.   Es  war  nur  eine  2 x 2 m  große,  balkonähnliche  Aus-
buchtung mit entsprechender  Kettenvorrichtung,  damit  er  auch 
bloß   nicht   über  die  Brüstung   springen   würde.   Man   hätte 
Beethoven  als  kleinen  süßen  Welpen  bekommen, aber so einen 
großen Hund, für den man ja gar  keinen  Platz habe, habe man ja 
niemals haben wollen. Bezüglich des Platzes  lag dieser gute Mann 
ja noch nicht einmal so falsch. Man hätte  ihn  dort  in  den  Wald 
gesetzt und Beethoven angeblich immer regelmäßig mit Futter und
Wasser  versorgt.  Diesen  Eindruck  hatten  wir  jedenfalls  nicht. 
Unseres  Erachtens hatten  diese  Leute  wohl  darauf  spekuliert, 
dass sich  irgendjemand schon seiner annehmen würde, in  diesem
Fall nämlich wir. 

Eigentlich wollten wir diese Person anzeigen – aber  dem  Tier  zu 
Liebe nahmen wir  dann  hiervon  Abstand,  denn  im  Zweifelsfall 
hätte der Besitzer zwar  eine  Strafe  bekommen,  aber  das  Tier 
wieder zurücknehmen  müssen  und  wie  hätte  Beethoven  dann 
wieder leben und leiden müssen??? 

Jetzt ist Beethoven jedenfalls bei uns und  wartet  auf  ein  wirk-
liches  Zuhause  –  und  Musik  von  Beethoven  würde  ihn  ganz 
bestimmt auch nicht stören ....

Interessenten  bitten wir,  sich  direkt  mit  uns  auf  Teneriffa  in Verbindung zu setzen!
 


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