Dora - Glück im Unglück...

Weihnachten 1998 brachte ich DORAs Geschichte zu Papier. Die 
Odyssee einer Hündin in ein besseres Leben – wenn ich jetzt 
DORAs Bild mit der Weihnachtsmütze in den Händen halte und 
heute diese Zeilen jetzt zur Weihnachtszeit wieder lese, dann ist
mir, als wäre es gestern gewesen und nicht schon über 2 Jahre 
her als ich sie aufschrieb ...

„Heute ist für mich bereits Weihnachten, denn das größte Glück 
welches ich mir denken kann, wurde mir bereits heute beschert.

Seit mehr als 1 1/2 Jahren füttere ich unter anderem die Hündin 
Dora, eine braune Podenca, hoch oben am Teide in den Canadas, 
in der Nähe des Hotels Parador.

Immer wenn ich sie rief, kam sie und futterte ihre Mahlzeiten aus 
ihrem Eimer. Wenn sie satt war zog sie wieder von dannen und 
versteckte sich unter den Ginsterbüschen dort oben, denn auf 
dieser Höhe gibt es keine Bäume mehr. Von der starken Sonne 
war ihr Fell enorm ausgeblichen und ihr Rücken war ein einziger 
Sonnenbrand. Sie musste die Touristen dort oben immer an-
betteln, was auch wohl manchmal gelang, denn es gab immer mal 
wieder tierliebe Menschen, die sahen, was diese liebe Hündin dort 
in der kargen Landschaft doch leiden musste.

Dora war sehr zutraulich zu mir und fraß mir auch aus der Hand, 
jedoch fehlte das letzte Stückchen Überwindung, damit ich ihr ein 
Halsband umlegen konnte. Als Aufgabe hatte ich mir doch nun das 
Einfangen von Dora gestellt, denn es kommt jetzt der Winter in 
den Bergen und da ist es dort oben bitter kalt bei Eis und Schnee.
Ich dachte mir, dass sie einen zweiten Winter dort oben nicht 
überleben könnte. Ausnahmsweise war der letzte Winter nicht so 
kalt wie es normalerweise der Fall ist. Wenn dort oben Schnee 
liegt, sind die Straßen gesperrt und auch die Touristen kommen 
nicht hinauf.

Solch ein Einfangvorhaben muss immer genügend vorbereitet sein
und dazu benötige ich immer die Hilfe meines Mannes, der dann 
entschieden ruhiger und überlegter handelt. Man muss ja be-
denken, dass ein solch wildes, ängstliches Geschöpf human 
eingefangen wird und möglichst nicht in Panik geraten sollte.

Also fuhr ich wieder zur Fütterung in diese Kraterlandschaft, um 
das Einfangen von Dora systematisch vorzubereiten. Ich rief und 
rief, aber Dora kam nicht. Ihr Essensplatz war noch voll mit guten 
Sachen, nichts war auch nur angerührt. Das ging nun Woche für 
Woche so, Dora war nicht in Sicht, sie kam nicht mehr.

Das war für mich äußerst unverständlich und beunruhigte mich 
sehr. Ich begann zu recherchieren, wo meine Dora abgeblieben 
sein könnte, denn das ging nicht mit rechten Dingen zu. Dora 
musste etwas passiert sein!

Nach offizieller Version passen die frei lebenden Hunde nicht in 
das Bild einer schönen Ferieninsel und die Touristen sollen nicht 
mit solchen Dingen konfrontiert werden. Um die „Angelegenheit“ 
aus der Welt zu schaffen, werden die armen Geschöpfe, die man 
nicht einfangen kann, vergiftet, die anderen bringt man in eine 
sogenannte Auffangstation nach Santa Cruz, der Hauptstadt der 
Insel. Diese Station liegt in der Nähe des Hafens und die armen 
Tiere dort werden dann nach 20 Tagen vergast, so sieht es das 
„Gesetz“ vor.

Um verschiedene Ecken herum erfuhr ich, dass vor ca. einem 
Monat die zurück gebliebenen Hunde eingefangen worden seien 
und in eben in diese Tötungsstation gebracht worden waren.

Nun, vier Wochen waren aber länger als 20 Tage und somit 
bestand kaum Hoffnung, meine Dora noch lebend wiederzusehen.

Trotzdem fuhren mein Mann und ich kurz entschlossen nach 
Santa Cruz, wo sich diese Station inmitten von alten Autowracks 
und Müllbergen befindet. Einige arme Vierbeiner stromerten dort 
herum und man konnte ihnen ansehen, dass sie, um es krass zu 
sagen, dem Henker von der Schüppe gesprungen waren. Dann 
kamen wir in die städtische Anlage. Trotz lauter Geräusche war 
deutlich Hundegebell zu hören, niemand war weit und breit zu 
sehen – wie in einem Geisterschloss. Alleine wäre ich hier nie und 
nimmer hineingegangen.

Wir nahmen einen dicken Stein und klopften damit auf eine dicke 
Eisentür, um uns Gehör zu verschaffen. Die Tür wurde geöffnet 
und ein Mann erkundigte sich nach unserem Anliegen und wir 
gaben vor, dass uns ein Hund abhanden gekommen sei, an-
sonsten hätte er uns wohl nicht hineingelassen. So aber konnten 
wir eintreten.

Meine Augen füllten sich sofort mit Tränen, bei dem, was man hier
zwangsläufig zu sehen bekam. Gebrochene, flehende Augen, 
wohin man auch blickte ... Ich rannte von Käfig zu Käfig und hielt
Ausschau nach meinem mir wohlbekannten Zögling aus den 
Bergen. Größtenteils handelte es sich um alte und verwahrloste 
Hunde, die in ihrem bedauernswerten Leben wohl oftmals kein 
Herrchen hatten. Alle schauten mich großen, traurigen, doch 
erwartungsvollen Augen an, aber alle machten den Eindruck, als 
wenn sie ahnten was auf sie zukommt.

In der letzten Umzäunung waren einige Jagdhunde aus den 
Canadas untergebracht, die man wohl eingefangen hatte. 
Angeblich, weil es dort nichts zu fressen gäbe und sie dort 
verhungern würden. Meine Dora konnte ich nicht entdecken. Doch 
dann vernahm ich ein leises Hundeweinen und ein zartes 
„hmmhmm“. Ich traute meinen Augen erst nicht recht, denn ich
glaubte Dora zu sehen, aber meine Augen waren voller Tränen 
von all dem Leid das ich hier sah und ich konnte alles nur 
verschwommen wahrnehmen. Ja, und dann sah ich genauer hin, 
wer sich dort bemerkbar gemacht hatte und wirklich, dort stand 
meine Dora, äußerst verängstigt und schaute mich fragend an, 
wo ich denn bis jetzt gewesen sei. Ich habe ihr gesagt, dass ich 
sie überall gesucht hätte und sie mein Rufen nicht mehr gehört 
habe.

Als ich sie dann jedoch so rief, wie ich es in den Bergen immer 
gemacht habe, wusste sie, dass sie jetzt erlöst werden würde, 
von all dem Elend welches ihr widerfahren war.

Mitnehmen konnte ich Dora an diesem Dienstag nicht, da sie erst 
am folgenden Tag von der städtischen Tierärztin geimpft werden 
musste. Die folgende Nacht konnte ich nicht schlafen, denn ich 
wartete darauf, dass ich Dora zu mir nach Hause holen konnte.

Welch eine Befreiung hatte dort stattgefunden. Nun lebt Dora bei 
mir zu Hause und hat noch ein schönes, langes Leben vor sich. 
Dora werde ich wohl nie wieder abgeben, genauso wenig wie 
Benny, Rambi, Maggi, Nina, Morena und Blanca. Die betagten 
Luna und Linda werden wohl auch kein neues Zuhause mehr 
finden.

Wenn Dora ihre Scheu überwunden hat, wird sie mit all ihren 
Freunden in der Sonne spielen auf dieser ansonsten doch 
schönen Insel Teneriffa.

Elke Roßmann“
 
 

...doch es kam ganz anders....eine ganz liebe Familie interessierte
sich für Dora und Elke wollte ihr die Chance nicht nehmen, 
alleiniges Familienoberhaupt zu werden. So sind nun sowohl Dora 
als auch ihre neue Familie überglücklich und bei Elke war wieder 
ein Platz für einen neuen armen Hund frei geworden...

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