Einen Tag unterwegs 
... für Hunde in Not mit Pro Animal de Tenerife 

- wir begleiten Elke Roßmann am 11.09.2001 auf einer Fütterungstour -

Während wir  uns  am  11.09.2001 morgens  um  6.00  Uhr  noch
einmal  gemütlich im Bett gedreht haben, begann für Elke bereits
die Vorbereitung ihrer dienstäglichen Fütterungstour. Der Berlingo
musste für  die Tour  vorbereitet  werden, d. h.  etliche  Wasser-
kanister  und  Säcke Trockenfutter  mussten eingeladen  werden,
die  Kisten für  das  abzuholende  Fleisch  verstaut  werden  und 
Proviant  für den Tag vorbereitet  werden.  Woher Elke die  Kraft
nimmt, bis  spät in  die  Nacht  auf  ihrem  eigenen  Anwesen  zu
arbeiten,  nebenbei  noch  Verwaltungsarbeiten  zu  übernehmen,
Briefe  und Faxe zu beantworten, und dann am nächsten Tag um
5.00  Uhr  morgens  wieder  völlig  einsatzbereit  zu sein,  ist uns
unerklärlich.

Wir waren um 07.45 Uhr mit ihr in La Matanza verabredet und auf 
die  Minute  pünktlich  brauste sie wie immer guter  Dinge um  die 
Ecke   und   freute   sich   auf   den   bevorstehenden  Tag  und 
insbesondere  darüber,  dass wir sie begleiten und bei ihrer Arbeit 
unterstützen würden. Es versprach  ein schöner aber auch heißer 
Tag zu werden, der  sich  durch strahlend blauen  Himmel und die 
aufgehende Sonne bereits ankündigte.

Erste Anlaufstelle war wie immer eine  Fabrik zur Verarbeitung von 
Hühnerfleisch, bei  der Elke  regelmäßig 3 x die  Woche ca. 250 kg 
Fleisch pro Tour für die  Hunde  in  den  Bergwäldern  einkauft. So 
warteten  wir,  bis  wir  an  der  Reihe waren,  denn es  herrschte 
schon morgendlicher Andrang. Für einige  Pts. Trinkgeld  bekommt
Elke  neuerdings   die  schweren  Kisten   von  einem   spanischen 
Arbeiter ins Auto geladen. Uns sind  da  auch noch andere  Zeiten 
in  Erinnerung, in  denen  wir  nach  dem  Einladen  der  schweren 
Kisten zusammen mit Elke schon im Vorfeld fix und fertig waren. 
 

Das  Auto  voll  bepackt machten  wir uns auf den Weg zur ersten 
Futterstelle, einer  Art  Kombination  aus  Schrott-  u.  Schuttab- 
ladeplatz  sowie  Mülldeponie  gelegen  an der Südautobahn.  Von 
der Autobahn aus sieht man nur  vor sich hingammelnden  Schrott
und  Autos  und  irgendwelche  Baufahrzeuge,  die  Unmegen  von 
Staub  und  Dreck   hinter   sich  zurücklassen.   Wenn  wir  nicht 
wüssten, dass hier etliche hungernde Mäuler  bereits  sehnsüchtig 
auf  Elke  warten  würden,  würden  wir  es  wahrscheinlich  nicht 
glauben. Zurzeit leben hier 2 Rudel  von  insgesamt  ca.  12  -  15 
Hunden, von denen  die  Hündinnen bereits alle von Elke sterilisiert 
wurden. 

Wir  bahnen  uns  mit  dem   Berlingo unseren  Weg  durch Staub, 
Schutt und  Geröll  und  sehen  unsere Schützlinge bereits überall 
verstreut irgendwo  im Schutt liegen.  Elke hupt wie immer  einmal 
und nun kommen  sie angewetzt,  springen freudig um uns  herum 
und  wissen gar nicht, was sie  zuerst  tun  sollen,  es  folgt  eine 
Kombination   aus   ersten  Leckerchen   aus   der   Hand   reißen, 
anspringen,   gestreichelt    werden    und   wieder    Leckerchen. 
Nachdem sich die erste Aufregung  gelichtet hat, beginnen wir die 
für die  Deponie  vorgesehenen  Fleischrationen  in  die  Futterbe-
hälter zu verteilen, die Kanister mit  frischem  Wasser aufzufüllen. 
Wir  sind  jedes  Mal  der  Verzweiflung  nahe,  wenn wir all  diese 
lieben Tiere  sehen, wie sie hier  Wind und Wetter  ausgesetzt  im 
Dreck  ihr  Dasein  fristen. Sie  alle hätten  es verdient, ein  gutes 
Zuhause zu bekommen. Aber viele von ihnen leben schon zu lange 
hier im Rudel, zwar  in  einem  alles  andere als  schönem  Umfeld, 
dennoch  aber  in  Freiheit,  und könnten nicht mehr  resozialisiert 
werden. Es sind überwiegend  große  Hunde, die  es  ohnehin sehr 
schwer hätten,  aufgrund  Rasse oder Größe vermittelt zu werden. 
Kleinere  oder  Neuankömmlinge,  die   noch  eine  Chance  haben, 
nimmt Elke ohnehin jedes Mal  gleich  mit.  Dennoch  sind  sie  alle
gut  genährt  und  müssen  keinen  Hunger  leiden,  denn  um ihre 
Versorgung kümmert sich Elke regelmäßig. 

Während  Sandra  und  Elke   noch  damit  beschäftigt   sind,  die 
Futterbehälter zu bestücken, fällt  mein  Blick  auf  einen  abseits
liegenden  Riesen,  der  im  Gegensatz   zu   den   anderen  nicht 
angelaufen kommt, um sich  seine Ration zu sichern. Er guckt aus 
traurigen Augen zu uns rüber und  bewegt  sich  nicht.  Ich  gehe 
auf ihn zu und könnte bereits jetzt schon heulen.
 

Er ist  schon ziemlich  alt und auf ihm sitzen unzählige Fliegen, die 
seine völlig  entzündeten  Augen,  aus  denen  ein  gelbes  Sekret 
trieft, belagert haben. Ich verscheuche erst mal diese widerlichen 
Fliegen, streichel ihn, sein  Blick ist irgendwie leer und das Fleisch, 
das ich ihm aus der  Hand  anbiete,  registriert  er  irgendwie  gar 
nicht. Er kann oder will  nicht  mehr  fressen.  Ich  gehe  zu  Elke 
und berichte  ihr.  Sie  sagt,  ich  solle  ihm  mal ein Stück  Butter 
geben. Dieses  nimmt  er  dann  auch. Ich säubere ihm die Augen, 
er   erträgt   es   ohne   irgendeine   Reaktion.   Wir   geben   ihm 
Augentropfen   und   er   guckt  uns   nur  aus  großen,  traurigen 
gebrochenen Augen an. Dann steht er auf und ich bin verzweifelt.
Er hinkt, einer seiner Hinterläufe scheint gebrochen, der Körper ist 
im hinteren Teil völlig  abgemagert  und eingefallen. Er scheint mit 
den Kräften am Ende. Hier ist  nun  dringend Hilfe gefragt, obwohl 
wir alle  schon  keine  guten  Vorahnungen  haben.  Er  muss  auf 
schnellstem Wege zum Tierarzt, soviel steht fest. 
 

Da wir dieses riesige Tier schlecht in seiner  Reaktion  einschätzen 
können,  will  Elke  ihn  vorher  narkotisieren,  da  wir  auch  seine 
Schmerzen nicht einschätzen können und ihn nicht unnötig quälen 
wollen. Elke  bereitet  das Blasrohr mit dem Narkosemittel vor, das 
nur ca. ½ Std. vorhält. In dieser Zeit  müssen  wir  ihn  zum  Arzt 
bringen. Der Narkosepfeil trifft ihn  im Oberschenkel, Blut läuft aus 
der  Einstichstelle  und  Sandra  und  ich  heulen  schon Rotz und 
Wasser.

Der Nachtwächter des Geländes hilft  uns, den schweren Hund ins
Auto zu tragen. Wir nennen ihn Paco. 
 

Wir fahren über ½ Std. zum  Tierarzt,  die  Stimmung  ist mehr als 
gedrückt  und  unsere   mulmigen  Vorahnungen  bestätigen  sich. 
Unser Tierarzt Francisco, eine Seele  von  Mensch,  der  sich  mit 
dem  Einschläfern  sehr  schwer  tut  und dies  nur  tut,  wenn es 
unvermeidbar ist, macht  uns  keine  Hoffnungen  mehr.  Paco  ist 
mindestens schon  15  Jahre  alt,  leidet  an schwerer HD, die ihm 
fürchterliche  Schmerzen  beim  Laufen  bereiten  muss  und  sein 
Hinterlauf ist gebrochen. Der  Gedanke,  dass  dies  Pacos  letzte 
Station sein wird, löst  Beklemmungen,  Trauer  und  Verzweiflung 
in uns aus und obwohl wir ihn kaum kennen,  tut er  uns unendlich 
leid. Aber wir wissen, dass wir ihm diesen letzten  Dienst erweisen 
müssen, um ihn von seinen Schmerzen zu erlösen.  Ich kann nicht 
mehr, warte draußen, heule und komme mir wie eine Mörderin vor. 
Sandra hat die  Courage  bis  zum  Schluss bei ihm zu bleiben. Sie 
streichelt ihn, während ihre  Tränen  still  laufen  und  Paco  seine 
letzten Atemzüge tut.  In  seinen  letzten  Lebensminuten  genoss 
Paco wahrscheinlich  mehr  Zuneigung,  als  ihm  jemals  zuvor  in 
seiner Heimat auf der Mülldeponie zuteil wurde. 
 

Er verhielt sich ganz still und ruhig und schien zu fühlen, dass wir
ihm   die   Schmerzen   nehmen   wollen.   Auch   Elke   ist   sehr 
mitgenommen, reißt sich jedoch zusammen.  Diese  Art  schwerer 
Gänge   hat  sie  regelmäßig  und  ist  in  gewisser  Weise  etwas 
abgehärteter. Sie verabredet mit Francisco,  Paco  abends  nach 
der Tour abzuholen, um  ihn  an  einem schönen Platz im Wald zu
begraben (seine letzte Ruhestätte bekam er  an  einem  wunder-
schönen  Platz  in  den  Wäldern  von  Ravello).  Ich  bewundere
sie wieder einmal mehr für das, was sie sich unentwegt aufbürdet. 

So begann  unser  Tag  gleich  mit  vielen  Tränen, aber die Tour 
musste weitergehen,  viele  unzählige  Mäuler warteten noch auf 
uns und wir hinkten der Zeit schon  um  Stunden hinterher. Es ist 
schon Mittag und wir müssen wieder  zurück  zur  ersten  Futter-
stelle,   den   Rest  der  dort  wartenden  Hunde  versorgen.  Wir 
fahren also wieder ½ Std. zurück. Im Auto sinniere ich  noch  vor 
mich hin, dass wir nun  eigentlich  irgendwo  Babies  vor dem Tod 
retten  müssten,  damit  sich  der  Kreis  des  Sterbens  und  neu 
geboren   werdens,  schließt.   Das  muss  wohl  eine  Vorahnung 
gewesen sein. Ein LKW-Fahrer hält uns an und bittet uns, an eine 
höher gelegene Stelle der Kippe zu  fahren,  dort  habe  er  heute 
morgen einen  Karton mit Welpen gesehen, die irgend jemand dort
in der  prallen  Sonne  abgestellt  habe.  Sandra u. ich können es 
kaum glauben: In die sengende Sonne hat  man  vier  Welpen, die gerade vielleicht mal  einen  Tag  die  Augen  geöffnet  haben,  in 
einem Pappkarton abgestellt.
 

Das jämmerliche Weinen und  Fiepen  ist  schon  von  Weitem  zu 
hören. Eine Mutter ist  nicht  mehr  dabei.  Sie  haben sich schon 
gegenseitig  eingekotet.  2  schwarze  und 2 schwarz-weiße Fell-
knäuel   haben  noch   mal   Glück  gehabt,  dass  sie  rechtzeitig 
gefunden wurden - sie werden ein  glückliches Hundeleben führen 
dürfen ... Elke hat immer  Milch  dabei  und  noch  im  Schutt  be-
kommen  alle auf  einer Wolldecke ihre erste Ration Milch mit einer 
Pipette. Wir säubern sie  notdürftig mit Wasser und betten sie auf 
Handtücher. Sie grunzen  nach ihrer Milchration zufrieden vor sich 
hin. 
 

Alle 2 Stunden melden sie sich  und  wollen  wieder Milch, so dass
wir zwischendurch immer wieder  füttern müssen. Das entschädigt
etwas für die Trauer um unseren Paco. Der Tierarzt stellt  abends 
fest, dass sie ca. 2 Wochen alt sind. Bevor ich es am Ende dieses 
Berichtes   vergessen  sollte:   Bei   Elke  nimmt  sich  eine  kleine 
Pinscher-Hündin, die  sterilisiert worden war  und  die  ihre  Kinder 
verloren  hatte,  der  kleinen  Würmer  an.  Somit  ist  auch  diese 
kleine Hundedame  trotz Sterilisation wieder glückliche  Mama  und 
kümmert sich vorbildlich um die  Kleinen. Sie hat zwar keine  Milch, 
aber die Kleinen nuckeln  zufrieden an ihren Zitzen und  bekommen 
die nötige Körperwärme . Elke zieht sie mit der Hand auf - anfangs 
mit der Pipette, später dann mit der Flasche und Mütterchen leckt 
sie   anschließend   sauber,   so  dass  Elke  bis  auf  das  Füttern 
überhaupt keine Arbeit mehr mit den Kleinen  hat.  Sie  entwickeln 
sich prächtig und watscheln inzwischen auf ihren kleinen Beinchen
durch den Garten. Die vier  Kleinen  sind  übrigens  inzwischen  zu 
vermitteln. Wer Interesse  hat,  möge  sich  bitte  direkt  bei  Pro 
Animal auf Teneriffa melden.

So hatte sich der Kreislauf Leben und Sterben  dann  wirklich  ge- 
schlossen.

Zurück zu unserer Tour. Durch Paco und das Auffinden der Kleinen
waren wir völlig aus dem Zeitplan.  Es  ging  auf  14.00 Uhr zu und 
wir hatten mit der  eigentlichen  Fütterungstour  ja noch nicht mal 
richtig angefangen. Das würde ein langer Tag werden ....

Weiter   ging  es  nun  zur   Caniceria  Manolo,  einem  spanischen 
Metzger,  der   Elke  netterweise   2  x  wöchentlich   Fleischreste 
seines  Betriebes  zur  Verfügung  stellt.  Diese  Reste  sind  leider 
immer 2 - 3 Tage  alt und  rein  optisch  betrachtet  nur  was  für 
Hartgesottene (Schweine- und Rinderköpfe, Beine etc.), aber den 
armen Hunden  in  den  Wäldern  dient  auch  dieses  Fleisch  zum 
Überleben und obendrein fressen sie es auch  noch  gerne.  Heute 
sind wir leider zu spät dran und alles Fleisch ist schon anderweitig 
vergeben.  Elke  hofft,  trotzdem  alle  Hunde  halbwegs  satt  zu 
bekommen  und  ihr  bleibt  nichts  anderes  übrig,  als  am  über-
nächsten Tag erneut nachzufragen. 
 

Nun  machen  wir  noch  einen  Abstecher  zu   Montesana,  einer 
Wurstfabrik. Auf dem Weg dorthin der nächste Nackenschlag. Elke
macht  eine  Vollbremsung.  Sandra  und   ich  haben   gar  nichts 
mitbekommen, aber  Elkes  geschultem  Blick  entgeht  nichts.  Im 
Straßengraben   liegt   ein  überfahrener  Podenco.  Sonntag  war 
wieder Jagd, heute ist  Dienstag  und  so  lange  scheint  er  auch 
schon in der Sonne zu liegen. Hunderte Fliegen und schon ziemlich 
verwest. Sandra wird von dem  Verwesungsgeruch  schlecht.  Ich 
reiße mich zusammen, würge trotzdem, während Elke  im  Gebüsch 
schon erbricht. Elke und ich ziehen Handschuhe an und ziehen ihn 
hinter eine große Tanne, schneiden Äste ab  und  decken  ihn  zu. 
Alltag auf Teneriffa. Kümmern tut´s niemanden, doch  wir  können 
weiterfahren mit dem  Wissen,  ihn  wenigstens nicht unwürdig an 
der Straße verfaulen zu lassen. Was für ein Tag ... Bei Montesana
angekommen wieder Pech: auch hier sind wir zu spät. 

Die  nächsten  Stationen:  Privat"haushalte": Eine völlig verarmte 
Spanierin,  Mutter  eines  Drogensüchtigen,  die von ihrem eignen 
Sohn regelmäßig beklaut wird und deren Haus  aussieht  wie nach 
dem Krieg. 
 

Stolz  präsentiert  sie  ihre  völlig  verwahrloste  Unterkunft.  Elke 
füttert  ihre  Hunde  und  Katzen,  die  vormals  versucht  wurden 
mit Wasser und Brot am  Leben  zu  erhalten  -  dementsprechend 
abgemagert und mit erheblichen  Mangelerscheinungen  sahen  sie 
damals auch aus. Nunmehr hat Elke ihre Fütterung mit in ihre Tour 
eingeschlossen. Die  zwei Hunde leben an der Kette, die dank Elke 
und  Manfred  inzwischen  schon  3 m lang ist. Vormals waren alle 
Ketten kaum 80 cm  lang.  Die  beiden  Hunde  sind  ausschließlich 
dazu da, Haus und Hof zu  bewachen - fragt  sich  nur,  was  hier 
bewacht werden soll...
 

Wie gerne würden wir ihnen die Freiheit schenken, aber zumindest 
hat Elke diese Frau soweit gebracht, dass die Hunde während Elke 
zum Füttern da ist, für  kurze  Zeit  von der Kette dürfen, um sich
3 x pro Woche für eine  Viertelstunde auszutoben.  Furchtbar  für 
uns, aber für die Tiere besser als nichts.

Weiter geht´s zu  dem  "Haus"  oder  besser  der  Müllkippe  ihres 
Sohnes.  Dass  Menschen  in  einem  solchen Siff überhaupt leben 
können, ist mir unbegreiflich. 
 

Müll soweit das  Auge  reicht.  4  Hunde  an  Ketten  und  etliche 
Katzenkinder, natürlich alle nicht sterilisiert. Sollte mal etwas Geld 
übrig bleiben, wird Elke  auch  noch  die  Sterilisation  der  Katzen 
übernehmen, momentan würde  das  unseren  finanziellen Rahmen 
jedoch zu sehr  sprengen,  da  jede Mark für die Hunde gebraucht 
wird. Diese Hunde können wir nicht zum  Laufen  los  machen. Wir 
müssen froh  sein,  sie  überhaupt  füttern  zu  dürfen.  Die  Tiere 
können einem nur Leid tun, aber uns  sind  die  Hände  gebunden. 
Wenn  man  sie  bei  "Nacht  u.  Nebel" befreien würde, wären am 
nächsten   Tag   die   nächsten  Tiere  dort  angepflockt.  Es  ist
furchtbar, hier wirklich nur das Nötigste tun  zu  können,  füttern, 
Wasser geben und 3 x die Woche Streicheleinheiten verteilen.
 

Nachdem auch hier alle Behältnisse  aufgefüllt und  alle Hunde und 
Katzen für die nächsten 2 Tage versorgt sind, geht  unsere  Fahrt 
weiter in den  wunderschönen  Esperanzawald, wo viele Hunde, so 
z. B. Waldi, Lobo und  Luna  regelmäßig  ihr  Futter bekommen und 
dazu noch das Glück haben, in wunderschöner  unberührter, stiller 
Natur ihrem Hundeleben fröhnen zu können. Auch hier  wird einmal 
gehupt und schon kommen  an  der  ersten Futterstelle  Waldi und 
Lobo  angesprintet.  Wieder  werden  erst   mal   Vorableckerchen 
verteilt, danach geht es mit den Eimern  voller  Fleisch,  Trocken- 
futter und Wasserkanistern tief ins Gebälg. Elke ist gezwungen, an 
allen Futterstellen die  Behältnisse so tief in die Wälder zu tragen, 
dass sie von der Straße  aus  keinesfalls gesehen werden können, 
da sowohl  die  Spanier  selbst  als  auch  die  Behörden, die  hier 
regelmäßig ihre Kontrollfahrten unternehmen, diese  sonst  klauen 
bzw. mitnehmen würden, da die  Fütterung  freier  Hunde egal wo, 
grundsätzlich unerwünscht ist und die Tiere ja möglicherweise das 
Touristenbild stören könnten. 
 

Wir begegneten einem noch scheuen  kleinen schwarzen Mischling, 
der  nun  mittels  der  Fütterungen und  viel gutem  Zuspruch erst 
einmal handzahm gemacht werden muss, bis  man  ihn  mitnehmen 
kann.
 

Sodann wird auch er/sie (?)  dann  beim  Tierarzt  durchgecheckt, 
geimpft   und   kastriert/sterilisiert . Da  der   Neuankömmling  nur 
mittelwüchsig ist, hat er gute Chancen, sofern Elke sein Vertrauen
gewinnen  kann,  irgendwann  in  eine  bessere Zukunft  entlassen 
werden zu können. Sie wird versuchen, ihn  bei  sich  Zuhause  zu 
resozialisieren und schauen, ob er sich im Umgang mit den anderen
Hunden verträglich  zeigen  wird. Nur wenn dies nicht gelingt, was 
eigentlich  selten   vorkommt,  wird  er/sie  nach  der  Kastration/ 
Sterilisation  wieder  zu   seinem   Rudel   in   den  Esperanzawald 
zurückgebracht werden  und  dort  dann  in  seiner  altgewohnten 
Freiheit bei ausreichender Nahrung  leben  gemäß  Elkes  Leitsatz: 
"Einen alten Baum sollte man nicht verpflanzen".

Gegen fast 16.00 Uhr beschließen wir dann, zu Mittag  zu  essen. 
Dazu fahren wir nach Los Raices, einem Lokal  im  Esperanzawald, 
an dem auch gleichzeitig 3 Hunde  von  Elke leben, Taico, Berdina 
und Dama. Hier bekommen wir dann an  diesem ziemlich stressigen 
Tag dann  auch  zur  Abwechslung  noch  einmal  kräftig  was  zu 
lachen: Da wir  als  Tierschützer  ja  ohnehin  mit  dem  Hinterge-
danken, das ein  oder  andere  Leckerchen  noch  für  die  Hunde 
mitzunehmen,  ständig  auf  der  Lauer  nach  noch  brauchbaren 
Fleischresten  etc.   sind,   haben   wir   es   auf  die  Reste  der 
Hähnchenbollen einer spanischen Familie  mit Kind abgesehen, die 
uns gegenüber sitzen. Während wir selbst noch essen, haben wir 
immer ein Auge auf  deren Reste, damit diese  uns  ja  nicht  ent-
gehen, wenn die Familie  geht  und bevor der Kellner es dann dem 
Mülleimer zuführt. Wir  haben  uns  Sandra  als "Einsammel-Opfer" 
ausgeguckt, zumal  sie am  nächsten am Tisch  der  Spanier  saß. 
Erst geht Mutter mit Kind, dann verlässt auch der Vater den Tisch 
und Sandra schlägt zu .... in Sekundenschnelle hat  sie den Teller 
abgeräumt und  Dama  liegt  schon  bei  uns  am  Tisch und guckt 
erwartungsvoll.   Kaum  dass  Sandra  zufrieden  über  ihr  soeben 
verrichtetes Werk wieder bei  uns  am  Tisch  sitzt,  kommt  diese 
Familie zurück!!! Wir können es kaum fassen und schämen  uns  in 
Grund  und  Boden.  Elke  entschuldigt  sich  100 x und  bittet die 
Leute,  sich  doch  etwas  Neues  zu  bestellen  und  erklärt  den 
Spaniern den Grund für unsere Raffgier.  Diese  sind  jedoch  sehr 
nett und verständnisvoll, erklären  uns,  dass  sie  ohnehin  fertig 
seien und dass die Hunde sich die  Bollen  mal  schmecken  lassen sollen.  Als  Dankeschön  unsererseits  darf  der  kleine  Sohn  der 
beiden   dann  unsere   Welpenkinder  im  Wagen  bestaunen,  die 
auch schon wieder quietschen, weil sie  ihre  nächste  Milchration 
haben wollen.
 

Es  folgen   viele   weitere   Fütterungsstationen,   wie   z.B.   im 
Eukalyptuswald,  wo  Euco und Euca  leben  (während Ihr  diesen 
Bericht lest, liegt Euco in  der  Tierklinik u. Euca weilt leider schon 
nicht mehr unter uns - einen genauen Bericht hierzu könnt  Ihr  in 
unserer Rubrik "Ohne viele Worte" finden), am Mirador  de  Ortuno
vorbei, wo Mira und Dunja leben. In der  Dämmerung  kommen wir 
dann  an  der  höchsten  Futterstelle  auf  ca.  2800  m  an.  Hier 
befinden sich auch  die  einschlägigen  Touristenlokale  am  Teide, 
an denen sich  viele  zurückgelassene  Podencos  versammeln,  in 
der Hoffnung, mal das ein  oder  andere  Häppchen  abzukommen, 
was leider nur selten geschieht,  denn  auch  hier  sind  sie  nicht 
gern gesehen, da  man  ja auf dieser schönen Insel kein Tierelend 
gebrauchen kann. Hier  oben  werden  regelmäßig  Kontrollfahrten 
der städtischen Behörden unternommen, die die  Tiere  mit  Fallen 
gnadenlos eingefangen  und  in  die  Hauptstadt Santa Cruz in die 
Gasanstalt bringen, wo ihr ohnehin klägliches Dasein dann ganz im 
Sinne einer spanischen Perrera nach 15 Tagen ein Ende findet. 
 

Wir entdecken auch wieder einige  zurückgelassene Podencos, die
noch zu scheu waren um sich von Elke mitnehmen zu lassen. Auch
sie waren von der Jagd  am  Sonntag "übriggeblieben". Sie werden 
nun hoffentlich auch an unsere Futterstellen  kommen. Ansonsten 
haben sie keinerlei Überlebenschance. Hier oben gibt  es  für  Elke 
die meiste Arbeit. Im Sommer mangelt es dort oben an Wasser, in
dem Lavagestein  laufen  sich  die Hunde die Pfoten blutig, und im 
Winter können sie bei Temperaturen unter  0°C,  Eis  und  Schnee 
nicht überleben. Elke muss also  so  schnell  wie  möglich  ihr  Zu-
trauen  gewinnen,   um  sie  retten  zu  können,  bzw.  besonders 
scheue Tiere mit ihrer eigenen Falle einfangen, um  den  Behörden 
zuvor zu kommen. Hier  oben  gibt  es  kaum einen Schutz vor der 
Sonne, nur trockene Kraterlandschaft.  An  vielen  Stellen  fanden 
wir Knochen von Podencos, die leider  nicht  überlebt  haben.  Sie 
haben alles  Vertrauen  zu den Menschen verloren und trauen sich 
noch nicht einmal an die  Futterstellen heran, die ihr Leben retten 
könnten.

Nun  machen wir  uns  langsam  auf den Heimweg, nämlich auf der 
anderen Seite die Berge wieder herunter. Auch hier sind noch viele
Futterstellen anzufahren  und  Kanister  an  einigen Wasserstellen 
aufzufüllen.
 

An den meisten  Stellen  waren  keine  Hunde zu sehen, aber da 2 
Tage später das ganze Futter und  auch  das  Wasser  weg  sind, 
weiß  Elke,   dass  auch  dort  Hunde  leben,  die  ohne  sie  nicht 
überleben könnten. Es ging  mit  den  vollen  Eimern  steile  Berge 
herunter und auf der anderen Seite steile  Berge herauf. Nirgend-
wo konnte man mit bloßem Auge die Futterstellen  erkennen,  alle 
waren gut versteckt. An einer der Wasserstellen fand Elke 2 Tage 
später 2 Hunde - Churra  und  Churro. Churro hat Filaria und muss 
nun erst einmal mehrere Wochen bei  Elke  behandelt  werden, bis 
er wieder ganz gesund ist und dann vermittelt werden kann. 
 

Gegen 20.00 Uhr war die Tour dann beendet und Elke  setzte  uns 
zu  Hause  ab.  Über  220 km  waren wir gefahren und  hatten viel 
erlebt. Wir  waren  total  erschöpft,  wollten  nur  noch  duschen, 
essen und ins Bett. Wie Elke es nun schaffte, noch mit den Babies
zum Tierarzt zu fahren, obendrein  noch  Paco  abzuholen  und  im 
Wald zu begraben, ist uns ein Rätsel. Sie  hatte  ihm  ein  schönes 
Plätzchen hoch oben in den Wäldern von  Ravello  ausgesucht, wo
er nun ruht. Für Hunde wie  ihn  bräuchten  wir  dringend unser so 
nötiges Grundstück, dann könnte  vielen  seiner  Leidensgenossen 
ein Leben wie auf der Mülldeponie  erspart werden - dann  könnte 
man sie alle kontrolliert versorgen und  ihnen  bis  zur  Vermittlung 
ein   Hundeleben  in  einer  schönen  und  vor  allen  Dingen  auch 
sicheren Umgebung  gönnen  bzw.  könnte  hier  wesentlich  mehr 
Tieren das Gnadenbrot gewährt werden, die  für  eine  Vermittlung 
nicht mehr in Frage kommen. Für  Elke  jedenfalls  endete die Tour 
dieses 11.09.2001 gegen 22.30 Uhr und für sie gab es  dann auch 
zu Hause noch viel zu tun. So  musste  der  Berlingo  wieder  ent-
laden,  von  der  Tour  gereinigt  und  die  Behältnisse  gesäubert 
werden. Bis auch sie zum Duschen kam, dann noch  für  sich  und 
ihren Mann was zu  essen  gemacht  hatte und dann auch endlich 
irgendwann  mal  ins  Bett  konnte, war  es  sicherlich  weit  nach 
Mitternacht und der Wecker war für den nächsten Morgen bereits 
schon wieder für 05.00 Uhr gestellt....

Wir, die ja einige Jährchen weniger auf dem Buckel haben  und  fit 
und belastbar sein müssen, schliefen um diese Zeit  schon  längst 
und planten  erst  einmal  einen  Erholungstag am Strand. Elke je-
doch   lebt   nur  für  ihre  Hunde,  denkt  weder  an  ihre  eigene 
Gesundheit noch  an  ihr  eigenes  Wohl  und  verzichtet  auf  alle 
Annehmlichkeiten, die ihr Rentendasein eigentlich mit sich  bringen 
sollte. Selbst eine Lungenentzündung,  die  sie sich  bei Wind und 
Wetter und heftigem Platzregen in den Bergen geholt hatte,  hielt 
sie nicht davon ab, nach  bereits  3  Tagen  das  Krankenhaus zu 
verlassen, da  sie  kein Auge zutun konnte, wusste sie doch, dass 
ihre Freunde in den Bergen auf sie warten....
 

Wir fragen uns oft, was aus  all  den  Tieren  einmal  werden  soll, 
wenn Elke und  Manfred  körperlich  einmal nicht mehr in der Lage 
sein sollten, sich  um  diese  armen  Kreaturen  zu  kümmern.  Wir 
können nur hoffen und beten, dass sich an der Gesamtsituation in 
den kommenden Jahren vielleicht doch einmal  etwas  ändert  und 
wir mehr Unterstützung  durch die Behören erfahren und vielleicht 
irgendwann auch unser eigenes Grundstück haben. Bis  dahin  gilt 
unsere ganze Bewunderung dieser  einzigartigen  Frau  und  ihrem 
Mann, die trotz allen  Elends  Tag  für  Tag  den  Kampf  dagegen 
aufnehmen  und  ihr Leben selbstlos und ausschließlich den armen 
Vierbeinern in den Bergen  widmen,  um  die  sich  sonst  niemand 
kümmert.
 

Und zum guten Schluss möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass
die kleine Churra  von  der  Wasserstelle  bereits  mit  3  weiteren 
Hunde-Freunden, nämlich  der  kleinen  einäugigen  Rita,  unserem 
"Schweinchen" Xati und Sixto mit uns am 22.09.2001 auf die Reise 
nach Deutschland ging. Alle vier wurden  am  Flughafen  Dortmund 
bereits  von  unserer  Pflegefamilie erwartet, die sie dann in Kürze 
alle in ein wahres Hundeleben entlassen wird.


Tanja Groenhoff & Sandra Ninka

Ein ganz dickes Dankeschön auch an Matthias Ninka,  der  eigent-
lich nachreiste, um richtigen Urlaub  zu  machen  bzw.  einmal  zu 
sehen,  wo  seine  Hündin Greasy  eigentlich  herkommt, sich dem 
Elend in seiner vollen  Tragweite  jedoch  dann  ebenfalls  ziemlich 
schnell bewusst wurde und es, anstatt am  Strand  in  der  Sonne
zu liegen, vorzog,  gemeinsam mit Sandra zwei weitere Touren mit 
Elke zu fahren und eben ganz der Mann auch nicht zimperlich beim 
Schleppen  von  Schweineköpfen  reagierte!!!  Dank  seiner   tat-
kräftigen  Unterstützung  konnten  auch  die  ungemeinen  Kräfte 
von Pariente, einem  der  vier  Hunde  bei  dem  Drogensüchtigen, 
gebändigt und diesem zu einer längeren Kette  verholfen  werden,
auf die er schon so lange gewartet hatte ....