Jagdsaisonende - Jagdhundeschicksale

Fassungslos stehen wir jedes Jahr  auf´s  Neue den Jagdpraktiken
auf unserer Insel gegenüber. 

Im Juli/August beginnt  die  Jagd  auf  Hasen  in  den Bergen, weil 
diese  angeblich  die   Triebe  der   Pflanzen  fressen.  Zu  diesem 
vermeintlichen Jagdvergnügen fahren donnerstags, sonntags  und
an   Feiertagen   ganze   Karavanen   sogenannter   Jäger  in  die 
Bergwälder. 

Auf jedem ihrer Autos  befinden  sich  in  der  Regel  8  und  mehr 
Podencos  -  die  spanischen   Jagdhunde  -  in    viel  zu  kleinen 
Gitterverschlägen.   Ein   Unterschied   zu   den  vielgeschmähten 
Viehtransporten ist kaum festzustellen. Eng  aneinander  gedrängt 
werden  diese  armen   Geschöpfe  eingepfercht  durch  die  pralle 
Sonne  kutschiert,  um  alsdann   noch   Stunden  in  den  spitzen 
Lavasteinen rumlaufen zu  müssen,  bis  ihnen die  Pfoten  bluten, 
um  gezwungenermaßen  die  vermeintlichen  Kaninchen  für diese 
Möchtegernjäger aufzuspüren. Nach  erledigter  Arbeit  dürfen sie 
dann völlig erschöpft weiterhin eingepfercht und  ohne  Wasser in 
ihren Käfigen oder um die Autos ihrer  Herren herum  angebunden, 
ausharren,  bis  diese  großartigen   Jäger  in  den  Tavernas  ihre 
"Jagderfolge" gebührend gefeiert haben. 

Stolz berichten  sie,  dass  die  Hunde  mehrere  Tage  nichts  zu 
fressen bekommen, damit sie  die  Kaninchen  besser  aufstöbern. 
Nur  dass  sie  auch  das  übrige  Jahr  nicht   ausreichend  Futter 
bekommen, bleibt unerwähnt.  Aus  finanziellen  Gründen  sind  die 
meisten Jäger schon gar nicht in der Lage, 10 oder mehr Podencos
ein Jahr lang bis zur  nächsten  Saison  durchzufüttern. Tausende 
dieser Jäger gibt es auf unserer Insel - man kann sich ausrechnen,
wieviel Tiere nicht nur während  der  Jagd,  sondern  auch  in  der 
übrigen Zeit dafür leiden müssen. Das ganze Jahr über  werden sie
überwiegend in kleinsten Verschlägen gehalten, stehen oder liegen
in ihrem eigenen Kot und Urin, Entzündungen bilden sich etc.. 
 
 

Sie können  sich  kaum  bewegen,  weil  in  der  Regel  kein  Platz 
vorhanden ist bzw. die Besitzer auch erst gar  keinen Wert darauf 
legen,  dass  Platz  vorhanden  ist;  das  Fressen wird  ihnen, wie 
Schweinen, einfach in den Verschlag geworfen.  Zuwendung?  Ein 
Fremdwort - dabei sind gerade Podencos  hoch  sensible  Tiere! - 
Aber dann, pünktlich zur Jagdsaison, sind sie wieder  ihrer  Herren 
"liebstes"  Tier.  Dann  dürfen  sie  ihnen  bei  den  vermeintlichen 
Jagdzügen beim Aufstöbern des Wildes assistieren.  Und  dennoch 
lieben sie ihre Besitzer und kehren größtenteils  unaufgefordert zu 
ihnen zurück. Wenn doch nur  der  Mensch  etwas  von  ihrer  Art 
hätte,  dann  wären  sicherlich  viele  Menschen  zufriedener  auf 
dieser Welt. Aber der Mensch "belohnt" die Treue  und  die  liebe-
volle Art dieser Geschöpfe mit schlechter Haltung, Brutalität etc.. 

Es gibt jedoch auch genug  Hunde, die nicht länger gewillt sind, all 
dies zu ertragen. Vor kurzem  beobachtete ich,  wie  ein  Podenco 
seinem Herrn die Gefolgschaft  verweigerte.  Er  hatte  sich  unter 
dessen Auto verkrochen und brachte deutlich zum Ausdruck, dass
er auch nicht die Absicht habe, dort  wieder  einzusteigen.  Lieber 
würde er in den Bergen bleiben, wo er seine Freiheit hat. Er rannte
dann   einfach  weg,   ohne   seinen  Herrn  weiter  zu  beachten. 
Wahrscheinlich verhalten sich unzählige Tiere ebenso, denn  sonst
blieben am Ende einer Jagdsaison nicht dermaßen viele  Jagdhunde
in den Bergen Teneriffas  zurück.  Nach  Wochen  traf ich  den mir 
jetzt bekannten  Podenco  an  einer  meiner  Futterstellen  in  den 
Bergen wieder. Er erkannte mich gleich und kam auf mich zu, denn
ich hatte ihm damals tröstende Worte zugesprochen,  ihm  Wasser
und Futter  gegeben. Ohne besondere  Aufforderung  sprang  er in 
mein Auto. Er  lebt nun mit einigen Artgenossen bei uns - die Liebe
des Menschen hat ihm doch sehr gefehlt.

Wie viele alte, kranke und verletzte Podencos  werden  einfach in
unseren Bergen  hier  auf  Teneriffa  zurückgelassen, weil sie von 
ihren  Besitzern  nicht  mehr  für  tauglich  befunden  wurden.  Es 
erscheint diesen Leuten die  einfachste  Art  zu  sein,  die  Hunde 
loszuwerden. Sie werden entsorgt wie Müll.  Nicht  nur  Podencos 
landen oft direkt in der Mülltonne! Wir fragen  uns  immer  wieder, 
womit diese armen Tiere dies nur verdient  haben  -  sie  sind  für 
ihren Menschen durch  dick  und  dünn  gegangen,  bis  sie  dann 
einfach nicht mehr gebraucht werden ...

Nun, die Jagdzeit geht nun im September endlich zu Ende und  wir
sind mehr denn je gefragt, um uns all der  zurückgelassenen Tiere 
anzunehmen, sie tierärztlich versorgen  zu  lassen  und  vor  allen 
Dingen sie aus den Bergen  herunter  zu  holen.  Den  kommenden 
Winter dort oben mit Eis, Schnee  und Minustemperaturen können 
sie nicht überleben. 

Ohne unsere Hilfe sterben sie alle eines elenden Todes.

Wer diesbezüglich helfen möchte, möge sich bitte bei uns melden.

Elke Roßmann

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