Magaretha - "Maggi"
 

Dies ist die Geschichte von der  armen,  kleinen  Mischlingshündin 
„Margaretha“ aus den Bergen Teneriffas, die auf einer  Höhe  von 
1.400 m  am  Touristenaussichtspunkt „Piedra  Margarita“ gemein-
sam mit ihrer Leidensgefährtin und  Freundin,  einer  Schäferhund- 
Mischlingshündin  lebte.  Als Welpe  hatte man  ihr wahrscheinlich 
eine breite Plastikschnur fest um den dünnen  Hals gebunden und 
sich ihrer anschließend „entledigt“. Margaretha jedoch wuchs und 
wurde  größer,  die  Plastikschnur  jedoch  leider  nicht. In  dieser 
Wachstumsphase schnitt sich die Schnur  durch  das  Fell  in  das 
rohe Fleisch, soweit, dass sich rund um den Hals eine schreckliche 
Wunde mit  schrecklichen  Infektionen  bildete.  Monatelang  muss 
sich das arme Tier mit  schrecklichen  Schmerzen  gequält  haben. 
Als einige „wahre Tierschützer“ unserer Insel und  auch  Touristen 
davon hörten, versammelten sie sich tage- und  wochenlang,  um
die Hündin zu  füttern  mit  der  Absicht,  sie  dann  einfangen  zu 
können.   Margarethas   Hundefreundin   hatte   die  Beruhigungs- 
tabletten,   die  man  unter  das  Futter  gemischt  hatte,  aufge-
nommen; sie taumelte jedoch  an  ganz  anderer  Stelle  über  die 
Bergstraße. Andere unbeteiligte Leute, die dort unterwegs waren, 
nahmen das Tier mit, damit es nicht überfahren  wurde.  Nun  war 
die   kleine  Margaretha  ganz  allein  und  hatte  zwischenzeitlich jedwedes Vertrauen in die Menschheit verloren, die ihr  die  beste 
Freundin und Gefährtin genommen  hatten  und  jetzt  auch  noch 
Jagd   auf   sie  machten  –  alle   möglichen   Varianten   wurden 
ausprobiert,   jedoch  alle  ohne  Erfolg.   Der  Schuss   mit   dem 
Betäubungsrohr ging gänzlich daneben. Berge  von  Futter  stellte 
man dort an den Aussichtsplatz, doch Margaretha kam nicht mehr.
Erst wenn alle Menschen weg waren, kam sie, um zu  fressen. Als
man merkte, dass man in ihrem Fall wohl doch keine  sensationelle 
Rettungsgeschichte  bekäme,  ließ  man  sie  fallen  und  sie  war 
wieder sich selbst überlassen. Margaretha musste ihre Schmerzen
weiterhin ertragen und dadurch, dass sie  so  erschreckt  worden 
war, ließ  sie  sich  auch  nicht  mehr  sehen.  Das  Futter  wurde 
ebenfalls immer weniger, denn es kam ja niemand mehr, um sie zu 
füttern.  Sie  musste  sich  von  den  kläglichen  Resten  aus  den 
Abfallkörben am Mirador ernähren und  wurde  fortan  dünner  und
 
 

dünner. Durch die schmierende, große Wunde rund  um  den  Hals, 
verursacht   durch   das   Plastikband,  wurde  Margaretha  immer 
nervöser und befand sich  in  ständiger  Unruhe. Das Band schnitt 
sich immer tiefer in ihr Fleisch am Hals, so  dass Blut und Eiter das 
ganze vordere Fell bedeckten. Von weitem sah es aus,  als  seien 
Kopf und Körper getrennt.  Wir  erfuhren  von  einem  lieben  Tier-
freund von Margaretha. Das war vor 1 ½ Jahren. Seitdem fuhr ich
dreimal die Woche hinauf, rief ihren  Namen  –  mein  Ruf  schallte 
durch das ganze Tal. Immer an  die  gleiche  Stelle – versteckt im 
Schutz   der   Büsche   und   Bäume  –  stellte   ich  ihr  frisches, 
schmackhaft  zubereitetes  Futter. Ic bekam sie  nie  zu  Gesicht, 
wohl   einige  andere   Hunde,  die   jedoch  nicht  unter  solchen 
quälenden Schmerzen zu leiden hatten.  Andererseits  wusste  ich 
zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, wie Margaretha überhaupt
aussah. Eines Tages erhielt ich aufgrund eines Gesprächs mit Frau
R.  Lehmkuhl  ein  Videoband,  das   tierliebe  deutsche  Touristen 
aufgenommen hatten. So  wusste  ich  nunmehr  wenigstens,  wie 
Margaretha aussah  und  wo  sie  sich  aufzuhalten  pflegte.  Also 
kletterte ich von nun an  dreimal  die  Woche  einen  kleinen  Berg
hinauf, stellte Futter für sie  hin  und  rief  nach  ihr.  Bei  meinem 
darauffolgenden Besuch war das Futter immer  wieder  weg,  aber 
von Margaretha keine  Spur.  Dann  kam  der  Winter  und  in  den
Bergen lag hoch  Schnee  und  es  war dort bitter kalt. Die Leute, 
die die Straße für Touristen  sperrten,  ließen  mich  in  Höhe  der 
Caldera  passieren,  denn  sie  kannten  mich  inzwischen  mit  all 
meinen Futtertöpfen. An einem solch kalten verschneiten Tag sah 
ich Margaretha  zum  ersten  Mal.  Sie  stand  hoch  über  mir  im 
Berghang, wo ich  ihr  Futter  in  einer  Höhle  vor  der  Witterung 
geschützt  versteckt  hatte.  Sie  stand  dort  oben  und jaulte in 
einem fort. Es  war  ein  schrecklicher  Schmerz“gesang“. Blut und 
Eiter verklebten ihr  Fell.  Sie  bewegte  ihren  Kopf  kaum  noch – 
wohl auch, um nicht noch mehr Schmerzen zu haben.  Obwohl  es 
kalt war, roch es aus  ihrer  Richtung  kommend  fürchterlich.  Ich 
redete ihr eine ganze Weile gut  zu,  dann verschwand sie wieder. 
Eine halbe Std. später schaute ich noch mal  nach  ihrem  Futter-
topf. Sie hatte inzwischen  schon  alles aufgefressen. Fortan war 
es immer das Gleiche  mit  ihr, ich rief nach ihr, sie antwortete mit 
einem Jaulgesang, zeigte sich kurz, wo sie  war  und  verschwand 
wieder. Immer wieder  fragte  ich  mich,  wie  ich  ihr  bloß  helfen 
könnte,  dieses  Plastikband  loszuwerden.  Es  würde  ein  langer, 
mühsamer Weg werden. Aber ich  wollte es  ihretwegen  schaffen. 
So  bekam  sie  regelmäßig  3 x  die  Woche  ihr  Futter  mit  allen 
möglichen guten Zutaten.  Für  die  Überbrückungstage  hinterließ 
ich ihr immer ausreichend Trockenfutter und Wasser.  Im  Sommer
gibt  es  auf  dieser  Höhe  überhaupt  kein  Wasser.  Die  Fliegen 
mussten sie im Sommer stark gequält  haben,  angelockt von dem 
permanenten Geruch ihrer Wundsekrte. Hätte sie  doch  bloß  das 
Vertrauen in die Menschen  nicht  so  sehr  verloren,  dann  hätte 
man ihr sicherlich  viel  schneller  und  einfacher  helfen  können – 
aber nur mit sehr viel Liebe. Mit der Zeit  erkannte  sie  dann  das 
Geräusch unseres  Autos.  Aus  relativ  weiter  Entfernung konnen 
wir Margaretha nun ab und an sehen, wie sie  das  Auto  und  uns 
beobachtete. Einen anderen Tag hatte  ich  zwei  meiner  eigenen 
Hunde mit ihm Auto. Margaretha war  offensichtlich neugierig, kam 
vorsichtig den Berg herunter  und  umkreiste  permanent  weinend 
unser Auto. Von nun an erzielte ich  immer  kleine Fortschritte mit 
ihr   und   sie   wurde   zusehends  zutraulicher.  Basis  für  dieses 
Vertrauen  war  wohl,  dass  ich  bzw.   mein   Mann  und  ich  die 
einzige/n war/en, die in  dieser  Kälte  regelmäßig  für  sie  sorgte. 
Nach vielen weiteren Fütterungen näherte  sie  sich  soweit,  dass
sie Leckereien aus meiner  ausgestreckten  Hand fraß, nach jedem
Bissen jedoch immer auf der Hut und  panisch  vor  jeder  Art  von 
Bewegung. Inzwischen nahm  ich  immer  einen meiner Hunde mit, 
wenn ich zu Margaretha  fuhr.  Wenn  ich  sie  nun  rief,  kam  sie 
gleich   weinend   angelaufen,   um  Futter  aus  meiner  Hand  zu 
nehmen. Ich ließ sie ganz in Ruhe  und  gab  ihr  Gelegenheit,  ihre 
sozialen Kontakte zu pflegen. So  wartete  ich  geduldig, während 
sie sich mit meinen Hunden anfreundete  und  immer ein  bisschen 
mit ihnen spielte. Ihr  spezieller  Freund  wurde  mein  Dobermann- Mischling Benny. Wenn sie mit ihm spielte,  vergaß  sie  sogar  für 
einige Minuten die Umgebung  um  sich herum. Fortan fuhr ich nur 
noch abends zum Füttern, bevor die Sonne am Horizont unterging. 
Inzwischen  waren schon wieder über 6 Monate vergangen und es 
war schon wieder Sommer. Abends war  es  kühler und die Fliegen 
nicht mehr so sehr durch  die  Hitze  angelockt.  Margaretha  war 
noch immer sehr scheu  und  ließ  sich  keinesfalls  anfassen.  Ich
habe ihr immer gesagt, wie  gut es  ihr  gehen  könnte,  wenn  sie 
doch nur zu mir  kommen würde.  Instinktiv hat sie dies wohl auch 
gewusst,  aber  irgendetwas hinderte sie immer wieder daran, ihre 
Hemmschwelle endlich zu  überwinden.  Es  konnte  so  keinesfalls 
weitergehen. Die Wurde an ihrem Hals wurde zusehens größer und 
schlimmer und der Eiter lief nur so an ihr herunter. So beschlossen 
wir, eine Falle anfertigen zu lassen. Wir  ließen  eine  Falle  bauen, 
die genau ihren Anforderungen entsprach.  Nach  dem  Aufbau  im 
Wald in der Nähe, wo sich  Margaretha aufhielt, war jeden Morgen 
ein anderer Hund gefangen. Nur Margaretha ging nicht in die Falle. 
Unser   Fehler   war,   die  Falle   nachts  aufzustellen.  Der  erste 
gefangene  Hund  saß   morgens   in  der  Falle   und   wir   sahen 
Margaretha, wie sich in  der  Nähe  der Falle aufhielt, weil sie wohl 
bemerkt hatte, dass darin ein Hund  gefangen saß. Die Falle hätte 
nur während unseres  abendlichen Besuchs speziell nur für sie zum 
Fang gespannt sein dürfen und nicht zusätzlich noch während der 
Nacht   anderen   Hunden   zugänglich   sein.   Abend   für  abend 
versuchten wir Margaretha mit Leckereien in die  Falle  zu  locken.
Auf der anderen Seite des Barrancos konnten wir  sie beobachten,
wie sie sich an den Abfallkörben  am  Mirador zu schaffen machte,
dann verschwand sie  in  Richtung  unserer  Falle.  Sie  kam  auch
innerhalb der nächsten 10 Min.  nicht  wieder  zurück.  Man  hätte
annehmen können, dass Margaretha  in  der Falle sitzt, wir hatten
jedoch einen Zugalarm mit  Batteriebetrieb angebracht und es war
bislang kein akustisches Signal ausgelöst  worden. Sie war einfach
zu   intelligent   und   alle  weiteren   Versuche   waren   ebenfalls
vergebens. Lieber hungerte sie,  als  in  die  Fall  zu  gehen. Nach
einer Woche brachen  wir  die  Aktion  ab.  Es  blieb  also  nur  die 
Möglichkeit,   mittels   vermehrter   Zuneigung   ihr  Vertrauen  zu 
vergrößern. Dazu musste ich permanenten Kontakt  mit ihr pflegen 
und somit fuhr ich nun täglich  abends zu ihr hoch in die Berge, so 
dass  ich  kurz  vor  Sonnenuntergang  gegen  20.30  Uhr  eintraf, 
baute meine Töpfe mit Futter und Wasser auf  und  rief  nach  ihr. 
Sie erkannte mich  ja  bereits  am  Wagengeräusch  und  kam  mit
lautem Hundegesang zu mir. Meinen Hund Benny hielt ich dabei an 
der Leine und wenn sie da  war,  spielte  und  tollte  sie  mit  ihm, 
soweit es ihr  möglich  war. So blieb ich immer eine Weile, fütterte 
sie   zwischendurch  noch  mit  besonderen  Leckereien.  Sie blieb
meistens bis kurz nach Einbruch der Dunkelheit, um  dann mit dem
letzten Leckerchen, einem  Knochen,  im  Wald  zu  verschwinden.
Inzwischen  waren  wir schon  gute  Freunde  geworden  und  ich 
überlegte krampfhaft, ob ich  einen  Zugriff  wagen  könnte.  Solle 
dieser   jedoch   scheitern,  wäre  alle  Mühe  umsonst  gewesen. 
Margaretha konnte ihr Maul jetzt  schon  kaum  noch  aufmachen, 
um richtig zu fressen. Es war schrecklich, ihre Pein nur ständig mit 
ansehen zu müssen und nichts  tun  zu  können.  Eines  Sonntags 
sitze  ich  also  wieder  auf  meinem  Berg  und  warte  auf  meine 
Margaretha. Sie kam nur ganz  kurz,  verhielt  sich  extrem  scheu
und aufgeregt und  verschwand  erneut  im Wald.  War  der  kaum
noch aufzuschiebende Zeitpunkt  nun erreicht, an dem sie sterben
sollte, ohne dass ich ihr hätte helfen können? Ich  weinte  um  sie
alleine bei dem Gedanken. Dann aber bemerkte ich, dass die Jäger
unterwegs  und  auf   Kaninchenjagd   waren.  Sie  waren  mit  12
mageren  Hunden  unterwegs und hatten sozusagen den Barranco
umstellt.  Es  knallte  einige  Male.   Nun   war   mir   klar,  warum
Margaretha völlig verängstigt und verstört reagiert  hatte.  Letzt-
endlich wurden alle 12 Hunde von diesem „Menschen“ in nur einem
Kofferraum seines Autos verstaut. Danach kam Margaretha wieder
zu mir und klagte mir auf ihre Weise ihr Leid.  Ihre  Haltung und ihr
Blick  sprachen  Bände. Jetzt musste  erst recht etwas passieren,
denn donnerstags und sonntags ist  bis Ende Dezember freie Jagd
auf kleine  Kaninchen.  Durch  die ständige Anwesenheit der Jäger
hätte ich buchstäblich wieder  von  vorne  anfangen  können  mit
meiner kleinen Freundin, wenn  sie  nicht  sogar  noch  von  ihnen
erschossen werden würde. Bei meinen  täglichen Besuchen vergaß
Margaretha   in   den  ersten   Momenten  der  überschwänglichen
Freude ihre instinktive Scheu und somit ihre Vorsicht. Aber bereits
kurze Zeit später hatte sie bereits wieder jede Bewegung im Visier
und alles unter Kontrolle. Wir  hatten  nun  schon längere Zeit den
Zeitpunkt eines möglichen Übergriffs geplant. Ich musste nur noch
meine Nervosität ablegen,  denn  es  durfte  auf keinen Fall schief
gehen. Wir hatten geplant, dass ich ihr linkes  Vorderbein  packen
und dann mit der rechten Hand  ihren Brustkorb umfassen sollte – 
im gleichen Moment wollte mein Mann  dann  eine  Leine  in  Form
einer Schlinge um ihre  Hüften  binden,  damit  sie  nicht  flüchten
konnte, sofern sie wild werden und  beißen  würde.  Dann  wollten 
wir ihr ein Zuggeschirr anlegen, das wir extra  gekauft  hatten, da
ihr Hals aufgrund der schwerenVerletzungen nicht anzufassen war.
Am Dienstag, den 26.08., nach  wiederum sechswöchiger nunmehr
täglicher Reise in die Berge sollte es dann soweit sein. Als wir dort
ankamen, kam  sie  bereits,  ohne  dass wir sie überhaupt gerufen
hätten. Das traf uns  völlig  unvorbereitet.  Wir hatten das Futter
noch nicht ausgepackt  und  dies  stand  somit nicht an ihrem ge-
wohnten Platz. Benny war nicht angeleint  und  sprang  unvorher-
gesehen plötzlich aus dem Wagen. Margaretha spielte  wieder  mit
Benny und dachte gar nicht daran, zu fressen.  Nichts war also so
wie geplant. Ich stellte Futter  und Wasser auf eine  kleine Mauer,
auf die ich mich setzte und rief Benny zu mir. Folgsam kam er und
setzte sich. Margaretha sprang  von  der  rechten  Seite  auf  die
Mauer und näherte  sich  –  wie  in  den  Wochen  zuvor  –  ihrem
Futter. Die erste Euphorie unsererseits  war  bereits aufgrund aller
Umstände verflogen. Nichtsdestotrotz griff  ich  zu.  Ich  umfasste
ihr Vorderbein, griff  mit  der  anderen  Hand  um  ihren  Brustkorb.

Anfangs dachte sie  wohl,  Benny  habe  sie  angestoßen,  als  sie
jedoch  merkte , dass  ich  es  war, die  nach ihr  gegriffen  hatte,
geriet sie in Panik und wurde furchtbar  wild.  Sie  wollte  sich  die
Mauer runterfallen lassen, um zu flüchten. Ich  zog  in  entgegen-
gesetzter Richtung an  ihr,  um  dies  zu  verhindern.  Fazit  –  wir
verloren beide den Halt und fielen  zu  Boden. Benny schoss herbei
und   sorgte   für  zusätzliche  Verwirrung.  Er  wollte  mir  helfen,
Margaretha  aber  auch  nicht  beißen.  Benny  war  der  Meinung,
Margaretha habe mich angefallen  und  er müsse mir beistehen. Er
sprang zwischen uns beide, während Margaretha wild um sich biss.
An  das  Anlegen  der  Schlinge,  des  Geschirrs  und  eines  Beiß-
schutzes  war  natürlich  im  entscheidenden  Moment  überhaupt 
nicht zu denken. In der Vorplanung hatte mein  Mann  mir  gesagt,
dass, falls die Dinge außer Kontrolle geraten sollte, so wie es jetzt
gekommen war, er Margaretha  an  den  Hinterbeinen  in  die  Luft
heben  würde,  damit  sie  in  ihrer  Panik  nach Möglichkeit  keine
Bisswunden an unseren Händen und Armen verursachen  kann. Mit
letzter Kraft hielt  ich ihr  Vorderbein  fest,  das  schon  fast  aus-
kugelte, da  sie sich  völlig  außer  sich  natürlichzu  befreien  ver-
suchte. Sie schrie  fürchterlich.  Man  konnte  meinen,  Benny  sei
über sie hergefallen. Mein Mann  erkannte die Situation sofort und
ging vor, wie geplant. Er hob sie kopfüber  in  die  Höhe,  aber  sie
schaffe es  noch,  ihn  vorher  in  die  rechte Wade zu beißen. Sie
schrie und jammerte wie verrückt – sie glaubte wohl,  wir  würden
sie jetzt umbringen. Derartige Aktionen  gewohnt  und dank seiner
sportlichen   Statur   hielt    sie   mein    Mann   eine   Weile   mit
ausgestreckten Armen in der  Luft.  Nach  einiger  Zeit  erlahmten
ihre Kräfte und ihre Panik legte sich.  Ich  kniete  mich  neben  sie 
und redete ihr gut zu. Wenn  auch  widerwillig,  ließ  sie  sich  den 
Beißschutz anlegen. Jetzt  konnten  wir  sie  vorsichtig  zu  Boden 
gleiten lassen, legten ihr die Schlinge um die  Hüften.  Sie  machte
nun keine Anstalten mehr zu entkommen und wir konnten  ihr  das
Geschirr umlegen. Jetzt wollte sie aber auch nicht mehr aufstehen 
und so musste mein Mann sie  ins  Auto tragen. Ich  stieg vorweg 
durch die Heckklappe und  nahm sie entgegen. Inzwischen  war es
22.00 Uhr. Ein Lob auf  das  Mobiltelefon, mit dem  ich  in  solchen
Notfällen  sofort  den  Tierarzt  verständigen  kann.  Ich erreichte
jedoch nur den Anrufbeantworter. Somit  startete die Fahrt zurück
ins  Ungewisse.   Margaretha   vertrug   die  Autofahrt  nicht  und 
übergab sich. Ich  musste  ihr  den  Beißschutz  abnehmen,  damit 
sie nicht noch an ihrem Erbrochenen ersticken würde.  Wir  fuhren
direkt bei unserem  Tierarzt  vorbei,  dieser  war  jedoch  noch  im 
Süden der Insel. Es war nun 23.00 Uhr  und so musste Margaretha
wohl ihre erste Nacht bei uns verbringen.
 

Wir machten ihr einen Hundekorb zurecht und leinten sie mit ihrem
Geschirr ausbruchsicher an. Sie verhielt sich sehr ruhig und schien
wohl zu merken, dass  wir  sie  mitgenommen  hatten,  um  ihr  zu
helfen. Der Tierarzt meldete sich  noch  in  der  Nacht  telefonisch
und wir  vereinbarten  direkt  für  den  kommenden  Morgen  einen
OP-Termin. Ich verbrachte die  Nacht  bei  Margaretha  neben  ihr
auf einer Liege, was sie sehr zu schätzen  wusste.  Am  folgenden
Tag wurde Margaretha 2 ½ Stunden operiert.  Die  Wunde um den
Hals  war  weitaus  schlimmer,  als  selbst  der  Tierarzt  sich  dies
anfänglich vorgestellt hatte. So einen  Extremfall habe er während
seiner langjährigen Praxiserfahrung noch nicht erlebt.  Es  sei  ihm
ohnehin unerklärlich, dass diese  Hündin mit einer solch infektiösen
Verletzung überhaupt so viele  Monate  überlebt  habe. Die Wunde
war 2 cm, stellenweise sogar 4 cm, breit und mehr als 1,5 cm tief.
Das Plastikband war von den Wundsekreten  stark  verkrustet und
führte  somit  zu  fortlaufenden   neuen  Entzündungen  am  rohen
Fleisch.  Nur  durch  die   permanente  Fütterung  über  die  vielen
Monate hinweg, hatte sie diesen Zustand  überleben  können.  Sie
muss  permanent  unter  Stress  gestanden haben,  hat sich oft in
ihrer Not im Staub gewälzt. Ohne Hilfe wäre sie qualvoll verendet. 

Für Margaretha, oder Maggi,  wie  wir  sie  heute nennen,  begann
nach ihrer OP ein neues Leben. Ursprünglich  wollten wir  sie  nach
ihrer Rettung und anschließender Sterilisation zurück in  die  Berge
bringen. Aber bereits  nach wenigen Tagen, in denen  sie  bei  uns
ihre Wunden  auskurierte, stand fest, dass sie  bleiben könne  und
sollte, und zwar  für immer – denn  sie  würde  sich  resozialisieren
lassen. Unsere vielumsorgte Maus  war  bereits  nach  kurzer  Zeit
Mitglied im Rudel meiner damals vier eigenen Straßenhunde (heute
sind es schon 10),  die  bei.  mit  uns  und  unzähligen  Findlingen,
Pflegefällen leben und allesamt ein schlimmes Schicksal hinter sich
haben – und in  den  Bergen  „leben“  und  leiden  noch  unzählige
Tiere,  denen  unbedingt  geholfen  werden  muss  –  doch  alleine
schaffen wir es einfach nicht, all dieses Leid zu lindern.
 

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