Berghündin Nina "Beutel-Nina"

...aus der Ucancaebene in den Canadas

Im vergangenen Jahr im Sommer, als die  hiesige "Jagdsaison" auf 
unserer  Insel  Tenerife  begann,  bemerkte  ich  an  einer meiner 
Futterstellen in den Canadas  -  Kraterhochebene  in 2.600 Meter 
Höhe  -  eine  kleine   Podencahündin   mit   einem  riesengroßen, 
beutelähnlichen Gebilde zwischen den Hinterbeinen,  ähnlich  dem 

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Euter einer Kuh.So lebte die  "Nina" in  der Ucancaebene, am Fuße 
des  Berges  Teide,  wo  außer   einigen    kargen  Ginsterbüschen 
keinerlei Vegetation  zu   finden  ist,  inmitten  von  spitzkantigem 
Lavagestein. Von nun an fuhr ich in  regelmäßigen Intervallen dort
oben in die Berge,  um diese arme Kreatur zu füttern  und  sie  mit 
dem  fehlenden,   notwendigen    Wasser   zu   versorgen.   Ninas 
Aufenthaltsort  war in der  Nähe eines  Touristenaussichtspunktes 
dort oben. So  vergingen die Wochen und  Nina  holte  sich  immer 
dankend    das   für    sie    vorgesehene    Essen   und   das   so 
lebensnotwendige Wasser.  Als  dann  plötzlich  dieser  Aussichts-
punkt umgebaut und erneuert  wurde und  sich  die  Arbeiter  dort 
wochenlang  aufhielten,  sah  ich   nichts  mehr  von  der  kleinen, 
armen   Nina.  Ich  gab   die  Suche   jedoch  nicht  auf  und  fuhr 
regelmäßig weiter in den  Krater.  Immer  wieder  rief ich  nach ihr, 
zumal sie meinen Ruf inzwischen kannte, und siehe da, Nina zeigte
sich dann an einem anderen Aussichtspunkt  mit Namen "Bocca de 
Touce", wo die Straßen in den Süden der Insel ins Tal führen.
 

Hier richtete ich Nina einen  neuen,  versteckten  Futterplatz  ein, 
besonders  mit  dem  erforderlichen   Wasser   in  einem  größeren 
Behältnis. Künftig sah ich dann - wenn ich dort oben  ankam - oft 
mein kleines "Kängeruh" Nina, wie sie an  der  Straßenkreuzung die 
ankommenden Autos der Touristen abklabasterte,  um nach etwas 
Eßbarem zu betteln. Der  eine  oder  andere  Tourist  gab ihr auch 
etwas, sofern man etwas passendes dabei hatte.

Die Futterversorgung für die kleine Nina war  nicht  immer einfach. 
Zumal der letzte Winter viel Schnee  und  Eis  dort  oben brachte, 
und dies über einen Zeitraum von mehr als vier  Wochen. In dieser 
Zeit konnte Nina von mir nur über die Südseite der Insel mit Futter
versorgt   werden.  Somit  musste  ich  in  stundenlanger  Anfahrt 
entweder über  Guia de Isora  oder Vilaflor mit dem Auto anreisen, 
um dort oben in die Berge zu gelangen.  Inzwischen  war  Nina  so 
scheu geworden, dass sie sich nicht mehr  zeigte  wenn  ich nach 
ihr rief. Wochenlang hatte ich Nina nicht mehr gesehen. Manchmal 
dachte ich, Nina sei verstorben, da sie nicht mehr zu mir kam. Das 
Futter, das ich weiterhin  an  ihrem  Essensplatz  deponierte,  war 
jedoch  immer  verschwunden  wenn  ich  wiederkam.  An  diesem 
einsamen Platz konnte nur Nina der Esser sein  und  somit  wusste 
ich, dass sie noch lebt.

Leider   waren    trotz   des   abgelegenen   Futterplatzes   meine
Futterbehältnisse   oft   beim    nächsten   Besuch   wieder   ver-
schwunden. Wer auch  immer  nahm  in  der  Zwischenzeit  meine 
Futterbehälter weg?

Nunmehr galt es für  mich  zu  handeln,  und  der  armen  Nina zu 
helfen. Eines Sonntagabends  fuhren  mein Mann und ich hoch in 
die Berge an Ninas  Futterplatz in der ruhigen, unberührten Natur.
Dort  angekommen  bauten  wir  unsere,  für  diesen  Zweck  von 
meinem  Mann gebaute  Drahtkastenfalle auf,  und  zwar  an dem 
gleichen Platz, wo ich seit Monaten das Futter für die kleine Nina 
immer deponierte. Dieses  Mal  gab  es  besonders  schmackhafte 
Leckereien,  die   wir   in  die   Falle  stellten,  nachdem  wir  den 
Fallenboden mit Kiefernadeln abgedeckt  hatten.  Dann  warteten 
wir bis die  Dunkelheit  der  Nacht  hereinbrach,  ob  sie  vielleicht 
schon herbeieilte, um sich satt zu fressen und in die  Falle  gehen 
würde. Aber es geschah nichts. Die Falle konnten wir vor Einbruch
der Dunkelheit nicht alleine  lassen,  zumal  man  uns  bereits  vor 
Monaten eine derartige  Falle  an  einem  absolut  einsamen  Platz 
gestohlen hatte. Einen derartigen Arbeits- und Kostenaufwand für 
den erneuten Bau einer  entsprechenden  Falle  wollten  wir  nicht 
noch einmal riskieren.

Gegen 23.00 Uhr machten wir uns dann  auf  den  Heimweg. Gleich
am nächsten Morgen, Montag um  6.00  Uhr machte ich mich dann
mit dem Auto auf den Weg in die Berge. Bis  ich  dort oben eintraf,
war es mittlerweile schon 7.30 Uhr.  Vorsorglich  hatte  ich  mir für 
den ganzen Tag Proviant mitgenommen. Irgendwann  musste  Nina
doch Hunger und Durst bekommen und ich hoffte,  dass  sie  dann 
im Laufe des Tages in die Falle gehen  würde. Ein Fernglas gehörte
mit zu meiner Ausstattung,  denn   die  Falle  konnte  ich  nur  aus 
gebührender   Entfernung    beobachten,   um    Nina    nicht    im 
entscheidenden  Moment  zu  verschrecken.  Für  den  Tag  fühlte
ich mich somit bestens gerüstet. Als ich jedoch  dort oben eintraf, 
traute   ich   meinen  Augen  nicht.   Ninchen  saß  bereits  in  der 
geschlossenen Falle, als würde  sie dort auf mich warten. Natürlich
war sie scheu und etwas ängstlich. Aber  sie kannte mich ja schon 
so lange Zeit, dass sie wusste, dass ich es gut mit ihr meinte.

Ich setzte mich neben die Falle und versuchte, Nina zu beruhigen,
indem ich  fortlaufend  auf  sie  einsprach.  Mit  dem  Mobiltelefon 
versuchte ich meinen Mann zu erreichen, denn  er  musste  ja die 
Falle wieder abbauen und auf unseren Autogepäckträger aufladen.
Die Telefonleitung kam erst nach etlichen vergeblichen Versuchen 
zustande, so dass eine liebe Tierfreundin ihn  erst  nach  mehr als 
zwei Stunden zu uns herauf bringen konnte, zumal er ja kein Auto
hatte.

In der Zwischenzeit war ich aber langsam  und  bedächtig  in  die 
Falle zu Nina geklettert, denn Nina schien mir wohlgesonnen, dank
meiner  monatelangen  Fütterungen.  Als  mein  Mann  mit  meiner 
Freundin endlich eintraf, hatte ich die kleine  Nina  bereits aus der 
Falle hinaus befördert und in unser  Auto  setzen  können,  jedoch
dort angeseilt. Es war erschreckend, wie Nina von nahem  aussah.
Wie hatte Nina nur mit diesem Riesenbeutel  unter dem  Bauch  in 
den spitzen Lavasteinen überleben können?

Als wir bei meinem Tierarzt  ankamen, sagte mir dieser, es handele 
sich bei dem "Beutel"  um eine  Hernia, d.h.,  ein Bruch des inneren 
Bauchgewebes.  Somit   hingen   die   ganzen   Därme   in  diesem 
eutergroßen Gebilde. Die  Hernia  hätte  mit  gewissen  Schwierig-
keiten operiert werden können. Aber die kleine  Nina hatte von der 
permanenten, intensiven Sonnenstrahlung in  dieser  Höhe  etliche 
Krebsgeschwulste, sogar an der vorderen  unteren Lefze am Fang. 
Aufgrund  dieser  Umstände  waren  mein  Tierarzt  und  ich  einer 
Meinung, dem Tier keinerlei Operationen  mit  unwägbaren  Folgen 
mehr  zuzumuten.  Bei  einem   eventuellen  chirurgischen  Eingriff 
würden aus den Krebsherden neue Metastasen entstehen und das
würde für Nina einen schnellen, schmerzvollen  Tod  bedeuten. So 
aber sollte sie sich noch eines schönen Lebens  bei  uns  erfreuen. 
So gut hatte sie es noch nie in  ihrem  kargen  Bergdasein gehabt. 
Nina lebte bei uns in Eintracht mit vielen  anderen  Hundefreunden 
und   -freundinnen,   die   ebenfalls  alle  ein   äußerst  schlimmes 
Schicksal  in  den  Bergen  als  ausgesetzte  oder  dort  geborene 
Kreaturen erfahren  haben  und  hatte  viele  Monate  auch  keine 
Probleme.  Dann  verschlechterte  sich i hr  Zustand.  Der  Beutel 
wurde   größer  und  sie  hatte  immer  mehr  Schwierigkeiten,  ihr 
Geschäft noch  zu  verrichten  und  auch  die  Krebsgeschwulsten 
hatten  sich  verschlimmert.  Nach  etwas  über  einem  Jahr  war 
nunmehr ein  Zeitpunkt  erreicht,  den  wir  gerne  noch  in  weite 
Ferne geschoben hätten bzw. auf den  wir  natürlich  am  liebsten 
ganz verzichtet hätten  -  wir  mussten  uns  mit  dem  Gedanken 
auseinandersetzen, sie erlösen zu lassen. Sie  war  uns  sehr  ans 
Herz gewachsen in dieser  Zeit  und  wir  verschoben  den  Tag  x 
immer wieder, bis es einfach nicht mehr  ging.  Schweren  Herzens 
baten wir unseren Tierarzt um einen Termin. Wir  fuhren  mit  Nina
in die Berge und trafen uns dort mit unserem Tierarzt. So ging  sie 
schließlich in meinen Armen  von  uns  -  und  wir beerdigten sie in 
ihrer Heimat - den Bergwäldern -, an der Stelle, wo wir ihr  damals
begegnet sind. Selbst heute schießen mir  bei  dem  Gedanken  an 
sie noch die Tränen in die Augen.  Es  ist  immer  wieder  schlimm, 
ein geliebtes Tier zu verlieren.

Dennoch hat Nina bei uns noch fast 1 ½ schöne  Jahre gehabt, in
denen sie keinen Hunger leiden musste und  Liebe u. Geborgenheit
genoss.

Sie wird uns immer in Erinnerung bleiben.

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