Das traurige Schicksal einer Podenca
24.12.2001

Noch  immer sind  nicht alle  Podencos  aus  den  Canadas  einge-
fangen und der  Winter hält nun seinen Einzug.  Aber leider bin ich 
nicht  mehr   die   einzige,  die  diese  arme  Geschöpfe  einfängt, 
sondern auch die Wächter  des Parque National del  Teide  wollen 
sich nicht vor  den Touristen schämen  und haben nun selbst eine 
große Falle aufgestellt und fangen die Hunde dort auf bestialische 
Weise ein und verteilen  sie  dann  anschließend  nach Belieben in 
die nahe gelegenen Tierheime, sofern sie nicht  gleich nach Santa 
Cruz in die Gasanstalt gebracht werden.

Und so verschwinden immer mehr von  meinen  Freunden  und  ich 
weiß nicht, was mit ihnen  passiert  ist.  In  Abständen  suche ich 
diese Tierheime immer wieder  auf,  um  zu  sehen,  ob möglicher-
weise einer meiner angefütterten Freunde dort gelandet ist.

So war ich dann wieder einmal in La Guancha,  einem  städtischen 
Tierheim und siehe da, dort  war  einer meiner Freunde eingeliefert 
worden.  Man  hatte  dieser  Podenca  in den Canadas die Freiheit 
genommen   und   sie   wie   einen   Verbrecher  mit  einer  Masse 
ungleicher Hunde eingesperrt.

Sie kam gleich an  das  Gehegegitter  gesprungen,  als  sie  meine 
Stimme hörte und weinte laut vor Freude  in  der  Hoffnung,  dass 
sie nun endlich von mir gerettet würde.

Ich  kann  es   mit   Worten  jedoch  kaum  beschreiben,  was  im 
nächsten Moment passierte. Alle anderen Mischlinge, überwiegend
bullige Rüden, die generell  überhaupt  nicht  mit  einer  so  zarten 
Hündin zusammen in ein  Gehege  dürften,  stürzten  sich  auf  die 
kleine Maus und zerrissen sie aus  Eifersucht  vor  meinen  Augen. 
Ich schrie nach dem Wächter, der einige  Zeit brauchte, bis er am 
Gehege ankam. Aber, aber ... sie  war  wieder  stark  abgemagert, 
viel zu kraftlos, als dass sie sich  hätte  wehren  können.  Es  war 
der Horror auf Erden für mich.  Mit  einem  scharfen  Wasserstrahl 
stoberte der Wächter die  Meute  auseinander,  als  ich  sie  dann 
jedoch in meinen Armen hielt, wusste ich einmal mehr, dass meine 
Rettung zu spät gekommen war. Ihr Blut  lief  an  meinem  ganzen 
Körper herunter, bis wir am Auto  angekommen  waren.  Die  Beine 
dieses armen Tieres waren durchgebissen und  zerschmettert. Ich 
denke, dass sie sicher auch noch innere Verletzungen  hatte.  Ein 
Öhrchen  hing  daneben  und  im  Halsbereich  war  sie  sehr  sehr 
schwer verletzt. Sie erkannte mich kaum  noch  und  winselte nur 
noch vor Schmerzen. Mit zitternder  Hand  schaffte  ich  es  dann 
noch irgendwie, ihr eine  Beruhigungsspritze zu setzen, um sodann 
so schnell es nur ging zum Tierarzt zu  rasen  und  sie  so  schnell 
meine Füße mich trugen, in die Praxis  zu  tragen.  Alejandro, mein 
Tierarzt, bemühte sich sehr, aber es  hätte  ihr  eine  wahnsinnige 
Genesungsprozedur bevorgestanden mit  der  Folge,  dass  sie  ihr 
Leben lang ein Krüppel  geblieben  wäre ...  Alejandro  riet  mir, ihr 
dies  nicht  anzutun  und  wieder  einmal   zog  es  mir  mein  Herz 
zusammen, weil ich ein unschuldiges Tier erlösen lassen musste.

Da soll  es  Menschen  geben,  die  sich  Filme  von  Hundekämpfe 
ansehen, aber in der brutalen Realität ist eine solche  Grausamkeit 
mit Worten nicht zu beschreiben  und  man müsste aus Stahl sein, 
um es überhaupt verkraften zu können.

Ja, so kann es vielen Podencos aus den Bergen  gehen,  wenn  es 
mir nicht gelingt, sie einzufangen, weil sie zu scheu sind.

Das Ganze geschah übrigens am heiligen  Abend,  dem 24.12.2001 
für mich gibt es  ja  ohnehin  eigentlich  keine  Feiertage, da die 
Tiere  jeden  Tag  Hilfe   brauchen,  aber  diese  Feiertage  waren 
wieder einmal besonders schlimm für mich.

Elke Roßmann

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