Hundewelpenrudel 
in Überlebensnot

Es  ergab  sich,  dass   wir   bei   einer   unserer   wöchentlichen 
Fütterungsfahrten   der   Waldhunde,   mit    den    eingekauften 
Fleischvorräten den Esperanzawald aus  südlicher  Richtung  über 
Tabaiba anfahren wollten.

Auf der Höhe von  "Machado",  einer  unwirtlichen,  unbewohnten 
Gegend bemerkten wir am Wegesrand  der  schmalen  Straße  ein 
schwarzes  Häufchen Elend am Ende seiner Kräfte. Ein schwarzer, 
etwa 2  Monate  alter  Hundewelpe.  Als  wir  mit  unserem  Auto 
anhielten, schleppte er sich  davon  in  das  unwirtliche  Gelände. 
Wir  stiegen  aus  und  folgten   ihm  in  die  Richtung,  in  die  er 
verschwunden war.

Ganz in der Nähe  entdeckten wir ein Felsloch, in  dem  sich  wohl 
den  Geräuschen nach  zu urteilen noch andere Welpen aufhielten. 
Wir brachten unverzüglich Trockenfutter, Dosenfutter und Wasser
in einem Gefäß vor die Felsspalte, in der  sich  das  Hundewelpen-
rudel  Unterschlupf   gesucht   hatte.  In  gebührendem  Abstand 
beobachteten wir, wie, durch den Futtergeruch angezogen, einer
nach dem anderen  der  armseligen  Hundewelpen  aus  der  Fels-
spalte hervorkroch und sich gierig über  Futter und vor allem über 
das frische  Wasser  hermachten.  Binnen  kürzester  Zeit  waren
sechs Welpen, zwei braune und  vier  schwarze,  um  die  Futter-
gefäße versammelt und machten sich in ihrer Not gegenseitig das 
Futter streitig, in der Annahme, es würde nicht  für  alle  reichen, 
um den übergroßen Hunger zu stillen. Allmählich  füllten  sich  die 
Mägen der armen Kerlchen und  die  Hast, ja möglichst viel Futter
in sich hineinzuschlingen, ließ nach.

Dann passte nichts mehr in die kleinen, überfüllten Bäuche und es 
zeigte sich  bei  ihnen  Verdauungsmüdigkeit  nach  der  so  lange 
ertragenen  Hungerperiode  ohne  Wasser  und  Futter.  Entweder 
hatte man das Rudel in dieser  Einöde wissentlich ausgesetzt oder 
sie hatten ihre Mutter durch  deren  Tod  verloren.  Vielleicht  war 
sie überfahren worden, oder aber  vor  Entkräftung  aufgrund  der 
vielen Welpen verstorben. Für  die  kleinen  Wichtelmänner war es 
praktisch Hilfe in höchster Not.

Natürlich war unmittelbar an ein Einfangen  der  Welpen  nicht  zu 
denken, denn frisch gestärkt verschwand einer nach dem anderen
in der Felsenspalte, sobald wir  uns  näherten. Also mussten diese 
kleinen  Wichte   erst   einmal   in   die   mehrmals   wöchentliche 
Fütterung eingeschlossen werden. Schon  am  übernächsten  Tag 
zeigte   sich   die   Welpenmannschaft    bei    Ankunft    unseres  Fütterungswagens hocherfreut und zutraulicher.

Nach zweiwöchiger Fütterung waren die Welpen inzwischen so zu 
Kräften gelangt, dass sie weitläufig in der  Gegend herumstromern 
konnten,  dadurch  bedingt  aber   auch  viele  Gefahren  auf  sie 
lauerten. Sei es, dass sie von Autos überfahren würden oder aber
von   Einheimischen   mitgenommen   würden   und   irgendwo   in 
unwürdigen Verhältnissen, angekettet ihr Dasein fristen müssten.

Wie  aber  6  Welpen  einfangen,   ohne   enormen   Zeitaufwand? Glücklicherweise war zwischenzeitlich die Katzenfalle eingetroffen, 
die wir  in  England  bestellt  hatten.  Es  hatte  zwar  ewig  lange 
gedauert, aber nun war sie da. Mit  Erfolg hatten wir damit bereits 
anderenorts die kleine schwarze Hündin "Espera"  und  deren  zwei 
Welpen nacheinander im tiefen Esperanzawald  einfangen  können.
Nunmehr wollten wir mit der Falle  zwei  Welpen in einem Barranco 
(Felsschlucht) einfangen und im Anschluss daran nach Möglichkeit
einen  nach  dem  anderen  dieses  Welpenrudels. Also stellten wir 
eine  Falle  im  Barranco  auf,   um   nach   unserer  Fütterung  zu 
schauen, ob die Waldwelpen in der Falle saßen. Nach  etwa  einer 
Stunde stiegen wir wieder in  den  Barranco, um nach der Falle zu 
schauen.  Die  Falle  war  bis  auf  den  Eingang  mit  Kiefernadeln 
abgedeckt, damit die Welpen  keinen  Verdacht schöpften und die 
Falle nicht zufällig entdeckt würde. 

Am Platz, wo  wir  die  Falle  aufgestellt  hatten,  angelangt,  war 
unser Frust grenzenlos:  Die schöne Falle,  auf  die  wir  so  lange 
gewartet hatten, war  binnen nur einer Stunde  Abwesenheit,  an 
unzugänglicher  Stelle  mitten  im  Wald,  gestohlen  worden. Kein 
Futter für die  Hunde,  keine  Falle  mehr  vorhanden.  Ratlos  und 
enttäuscht  mussten  wir  mit  einer  bitteren  Erfahrung  über die 
Raffgier und  Boshaftigkeit  unserer  Mitmenschen  wieder  fahren. 
Zusätzlich waren wir auch noch um fast 400,- DM  ärmer, die uns 
die Beschaffung der Falle aus England gekostet hat.

Somit blieb uns keine andere Wahl, als  am  Folgetag  mit  unserer 
zerlegbaren, großen Hundekastenfalle  zu  versuchen, die Welpen- 
mannschaft  in  der  dortigen Einöde einzufangen. Die Problematik 
bestand darin, dass ggf. nur ein Teil der sechs Welpen in die Falle
gehen  würde  und  die  restlichen nicht mehr einzufangen wären, 
wenn   sie   ihre   Geschwister   in  der  Falle  sitzen  sahen.  Wir 
beschlossen, die Falle sukzessive  ganz  offensichtlich  im  Beisein 
der Welpen aufzubauen, damit diese sich mit dem neuen, fremden 
Gebilde vertraut machen könnten.  Das ganze Welpenrudel kannte 
uns ja von den Fütterungen und schaute interessiert zu, was  wir 
dort auftürmten. Nach dem Aufbau ließen  wir  die  Welpen  durch 
den Fallentunnel marschieren und Essenshappen aufnehmen. Dann
verschlossen  wir  die  Fallenrückwand  mit  der  Drahtgitterplatte, 
montierten die Frontplatte und spannten den Schließmechanismus 
der Fallentür und verbanden das ganze mit  einer  langen  Schnur, 
um aus  versteckter  Lage  und  weiter  Entfernung  den  Schließ-
mechanismus der großen Kastenfalle  bedienen  zu können, sobald 
einer oder mehrere der Welpen sich  über  das  Futter  hermachen 
würden.  Den  Trittmechanismus  der  Fallenschließung  hatten wir 
stillgelegt,   damit   diese  nicht  automatisch    wenn  einer  der 
Welpen die Falle betrat zuschlagen würde.  Die  übrigen  Welpen 
des Rudels hätten dann keine  weitere  Möglichkeit  in die Falle zu 
gelangen.  Wir  hofften,  dass  ein vorwitziger kleiner Anführer die 
Falle betreten und sich über das  Futter  hermachen  würde,  und 
dann  alle   anderen,   dem   Herdentrieb  folgend,  auch  zu  dem 
"Futterplatz" eilen würden, damit auch ja jeder was abbekommt. 

Das Glück war  uns hold und ehe wir uns versahen, spielte sich die 
Szenerie genauso ab. Ein  mutiger Welpe spielte den Vorreiter und 
fraß gierig das Fleisch auf dem Fallenboden  und  die anderen fünf 
Rudelwelpen stürzten sich eiligst auf den Futterplatz.

Aus   unserem   Versteck  war  die  erfreuliche  Situation  klar  zu 
erkennen. "Zieh an  der Schnur, zieh an der  Schnur!",  rief  meine 
Frau.  Genau  das  tat  ich  bereits.  Der  Schließbolzen  löste  die 
Fallenklapptür aus  und  mit  einem  lauten,  vernehmbaren "Klapp" 
war  die Falle geschlossen. Jetzt  herrschte  größte  Aufregung  in 
der Falle. "Wo ist ein Loch?", lautete die Devise unter den Welpen,
"Wir wollen hier raus  und  zurück  in  unsere Höhle!" Wir blieben in 
unserem Versteck bis sich die  Mannschaft  von  ihrem  Schrecken 
erholt hatte und sich mit der unvermeidlichen Situation in der Falle
notgedrungen vertraut machen  musste.  Wir  näherten  uns dann 
vorsichtig  und  redeten  ihnen  leise  zu,  damit  die kleine Truppe 
nicht wieder in Panik geriet. Ich bin dann  mit  einer  Hundeflugbox 
zweimal in die Falle und habe jeweils drei  der  sechs  Welpen in je 
eine Flugbox  gesetzt.  Geteiltes  Leid  ist  halbes Leid, sagten sie 
sich und jeweils mit zweien  der  Geschwister  erschien  ihnen  der 
Transport im Auto zu unserem Tierarzt erträglicher.

Bedauerlicherweise  waren  nach  tierärztlicher Untersuchung drei 
der Welpen in  äußerst  schlechter  Verfassung,  d.h.,  sie hatten 
enormen   Zwingerhusten   und   hatten    sich    trotz    unserer 
Fütterungen   nicht  ausreichend  erholen  können,  so  dass  wir 
schweren Herzens die Entscheidung  trafen,  sie  einschläfern  zu 
lassen.  Die anderen drei haben inzwischen alle Entbehrungen und 
Ängste vergessen und erfreuen  sich ihres Hundewelpenlebens mit 
kleinen Raufe- und Balgereien sowie allerlei Junghundestreichen.

So konnte wieder einmal wenigstens dem Teil einer kleinen Hunde- 
mannschaft geholfen werden ...

Manfred Roßmann

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