Winter in den Bergen Teneriffas


Nun ist ja wieder bei uns  in  den  Bergregionen  der  fürchterliche 
Winter eingekehrt.

Es ist immer eine Odyssee, das Futter bei dem Schnee  dort oben 
hinzuschaffen  und  zu  verteilen,  zumal  alle  Straßen  dort oben 
offiziell gesperrt sind. Die  Auffahrt  in  die  Canadas  von  unserer 
Seite über Orotava ist nicht möglich.

Zum Beispiel  sind  wir  heute  gegen  14.00  Uhr  vollgepackt  mit 
Frisch- und Trockenfutter in die  Berge  gefahren,  um  die  armen 
Tiere im Schnee und in  der  Kälte  zu  füttern.  Man  sieht  immer 
„zwei Spuren im Schnee“. Als wir  hochfuhren,  haben  wir  unter-
wegs  an  den   festen  Futterplätzen  schon   einen  Teil  unserer 
Mahlzeiten abgeladen, bis zur Piedra  Margaretha,  denn bei dieser
Kälte benötigen die armen Hunde mehr als die normale Ration.

Auf 1700 m Höhe war es dann vorbei mit  unserer  Fahrt.  Es  war 
nicht mehr an eine  Weiterfahrt  zu  denken,  Verzweiflung  macht 
sich breit, denn unser Auto ist so  voll beladen  wie sonst selten –
ich bin völlig deprimiert, sollte ich meine  Freunde, die dort oben in
höchster Not warten, nicht mit Futter  versorgen  können??  Dann 
jedoch hatte mein Mann zu meiner Freude eine gute Idee:

Es ging zurück durch  die  schneematschigen  Waldwege,  wo  wir 
uns an verschiedenen  Stellen  erst  mit  der  Schaufel  den  Weg 
ebnen mussten, damit unser Auto überhaupt weiterfahren konnte, 
nach Los Realejos, dann auf die Straße  nach  Icod,  weiter  über 
Santiago del Teide, auf der anderen Seite ins  Gebirge  nach  Guia 
de Isora und  dann  versuchsweise  trotz  des  Schnees  und  der 
Absperrung die verbleibenden 28 km hoch in die Canadas.

Bis an die Schneegrenze hinter dem  Bergort Guia de Isora gab es 
keine Probleme, aber dann  vergnügten sich dort  Tenerifenios mit 
ihren Familien im Schnee. Zu Hundertschaften  blockierten sie die 
Weiterfahrt, denn es gab nur eine schmale geräumte Spur auf der 
Pass-Strasse, die gerade für die Breite eines Autos befahrbar war.
Nach  endlosem  Palaver  und  Gehupe  hatten  wir  endlich  diese 
Volksansammlung hinter uns. Dann lag nur noch die eindrucksvolle 
Schneelandschaft der Canadasberge  vor  uns.  Man kam sich vor 
wie in den Bergen Österreichs oder der Schweiz,  aber  ich  wollte
meinen  lieben  Hundefreunden  doch  unbedingt  das  so dringend 
benötigte Futter bringen. Mit viel Mühe erreichten  wir  dann doch 
noch das Ziel unserer Reise,  die  Ucancahöhe in 2600 m Höhe  im 
Canadas-Krater.

In der  Nähe  meiner  Futterstellen  jammerten  schon  einige  der 
armen   Kreaturen  vor  lauter   Hunger  und   Kälte.  An  anderen 
Futterstellen war  der  Schnee  schon  festgetreten  von  all  den 
Hundefüssen, die bereits nach Futter Ausschau gehalten  hatten. 
Mehr   als  eine  Woche  war  das  gesamte   Bergmassiv   wegen 
Unpassierbarkeit gesperrt.  Es  war  unglaublich,  wie  sich  diese 
armen  Tiere  über  das  Futter  hermachten,  jeder  wollte zuerst 
seinen Magen füllen. Vorsorglich hatte ich für  die  nächsten Tage 
reichlich Frisch- und Trockenfutter  eingeladen,  um  es  ebenfalls 
dort zu  lassen.  Denn  mit  Sicherheit  waren es nicht die letzten 
Schneefälle und so haben  die  armen  Hunde  zumindest reichlich 
Vorräte, wenn ich die Hochebene in den nächsten  Tagen  wieder 
nicht erreichen sollte.

Benny, Morena und Blanca, meine eigenen Hunde, die gerne Auto 
fahren, hatten wir zu dieser  Fahrt  mitgenommen.  Nachdem alle 
Futterplätze versorgt waren, ließen wir  in  der  Ucancaebene die 
Mannschaft aus dem Auto. Alle  drei  stürmten von dannen in die 
Schneelandschaft weit bis an den  Horizont. Mit der Pfeife holten 
wir Benny und Blanca wieder zurück, nur Morena stellte sich taub 
und verschwand, um  die  Kaninchenspuren  zu  untersuchen. Die 
alte   Vagabundin  meinte,  es   wäre   noch   nicht  an  der  Zeit 
zurückzufahren. Inzwischen  war  es  stockdunkel und bitter kalt. 
Morena kam  nicht.  Nachdem  wir  fast  eine  Stunde im Auto ge-
wartet hatten,  kam  Madame  dann  außer  Atem  angesaust aus 
einer ganz anderen Richtung. Es gab dann  eine Strafpredigt, aber 
wir waren froh, dass Morena wieder zurückgekehrt war, jedoch ist
dies kein Einzelfall bei ihr.

Nun konnten wir  daran  denken,  die  Rückreise  nach  dem  weit 
entfernten La Orotava anzutreten.  Wir  hatten nicht die Absicht,
wieder die kurvenreichen Strecken über  und  durch die Berge wie 
bei unserer Hinfahrt zu fahren, deshalb entschieden  wir  uns,  für 
die   Südroute.  Die   Rückfahrt   ging   dann   über   Vilaflor,  Los 
Christianos auf die Autobahn Richtung  Santa  Cruz,  von dort auf 
die Nordautobahn über La Laguna  zurück  nach  Orotava.  Gegen 
22:00 Uhr waren wir dann endlich nach 245 km  Rundreise  wieder 
zu Hause. Ohne richtiges  Mittagessen,  nur  mit  etwas  Proviant 
waren   wir  alle  völlig  erledigt,  denn  das war   doch  eine  an-
strengende Fahrt gewesen.

Doch hier zuhause  warteten  noch  all  die  vielen  Hungermäuler, 
klein und groß, auf ihr wohlverdientes Fressen.

All diese unsere Freunde haben ein  Waldschicksal  hinter sich und 
ich  muss  mich  permanent  abstrampeln,  um  Flugpassagiere  zu 
finden, die einen oder  zwei  dieser  Hunde  mitreisen  lassen nach 
Deutschland, wo ich  mit  Freunden  laufend  versuche,  für  diese 
armen  Schlucker  ein  neues,   schönes  Zuhause  zu  finden.  Im 
vergangenen  Jahr  konnte  ich  insgesamt  ca.  120 dieser armen 
Kreaturen in Deutschland und Österreich in ein  schönes  Zuhause
vermitteln.

Aber, wie gesagt, es warten noch viele in den  Bergen bei Eis und 
Schnee,   dass  ihnen  das   gleiche  Glück  widerfährt.  In  dieser 
Jahreszeit haben die armen Tiere dort oben in den Bergen wirklich 
ein schweres Los, deshalb muss ihnen unbedingt  in  jeder  Weise 
geholfen werden.

Elke Roßmann

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